Bis zu 5.000 Euro mehr: In diesen Berufen in Deutschland gab es die größten Gehaltserhöhungen
22.07.2025

In den vergangenen zwei Jahren hat Deutschland ein außergewöhnlich starkes Lohnwachstum verzeichnet, insbesondere in Sektoren, die bislang unterbezahlt waren oder einem großen Druck auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt waren.
Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen, dass Arbeitnehmer im Durchschnitt zwischen 10 und 13 Prozent mehr verdienten als im Jahr 2022, was eine der deutlichsten Lohnerhöhungen im letzten Jahrzehnt darstellt.
Laut dem Experten Hermann Gartner vom renommierten Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) spiegelt ein solcher Sprung nicht unbedingt eine Steigerung der Kaufkraft der Arbeitnehmer wider, da die Löhne nicht an die Inflation angepasst wurden. Die Inflation ist im Zeitraum zwischen 2021 und 2023 deutlich gestiegen und erreichte zeitweise sogar fünf Prozent, was (nach einer langen Phase der Stabilität) den realen Wert der Einkommen beeinflusst hat, schreibt Fenix Magazin.
In diesem Zusammenhang stellt die Erhöhung des Mindestlohns, die in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren mehrfach erfolgte, einen Schlüsselfaktor für den Einkommensanstieg dar, insbesondere im unteren Bereich der Lohnskala. Der Mindeststundenlohn stieg von 9,60 Euro im Juni 2021 auf 12,41 Euro im Juli 2025, was sich direkt auf zahlreiche Arbeitnehmer auswirkte, deren Tätigkeiten traditionell auf diesen niedrigsten gesetzlichen Verdienst angewiesen waren.
Wer sind die größten Gewinner?
Laut einer exklusiven Analyse der Beschäftigungsplattform Kununu, die die Daten BuzzFeed zur Verfügung stellte und ausschließlich Berufe mit mindestens tausend gemeldeten Gehältern umfasst, um die Repräsentativität der Stichprobe sicherzustellen, wurde der größte Einkommensanstieg in Berufen verzeichnet, die körperliche Arbeit, direkte Interaktion mit Menschen sowie Sektoren umfassen, die mit chronischem Arbeitskräftemangel konfrontiert sind.
Die größten Gehaltserhöhungen wurden im Handel, in der Kranken- und Altenpflege, im Bildungswesen sowie in Dienstleistungs- und Gesundheitsberufen verzeichnet.
An der Spitze der Liste steht der Beruf des Lebensmittelverkäufers, bei dem das durchschnittliche Jahresgehalt von 27.715 auf 31.776 Euro gestiegen ist, was ein Wachstum von fast 15 Prozent in nur zwei Jahren bedeutet. Die Erhöhung in absoluter Höhe beträgt mehr als viertausend Euro pro Jahr.
Hervorzuheben ist auch der Beruf des Stylisten, der einen Sprung von fast 15 Prozent erlebt hat, was auf eine steigende Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich der Körperpflege hinweist.
Kinder- und Jugendkrankenpfleger verdienen jetzt rund 44.664 Euro jährlich, was einer Erhöhung von mehr als 5.000 Euro im Vergleich zum Jahr 2023 entspricht. Angesichts der Tatsache, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen aufgrund der alternden Bevölkerung und des chronischen Personalmangels unter immer größerem Druck stehen, gilt dies erst als Beginn eines Trends, der wahrscheinlich noch jahrelang anhalten wird.
Auch Lokführer gingen nicht leer aus. Dank starker Gewerkschaften wie der GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) ist ihr durchschnittliches Jahresgehalt um mehr als 5.000 Euro gestiegen, zusätzlich profitierten sie auch durch größere Rechte beim Abschluss von Tarifverträgen.
Erzieher, Tourismusmanager sowie Pflegehilfskräfte verzeichnen weiterhin ein überdurchschnittliches Einkommenswachstum, was besonders erfreulich ist angesichts der langjährigen Missachtung der Bedeutung ihrer Arbeit in der Gesellschaft.
Top 10 Berufe mit dem größten Lohnwachstum im Zeitraum 2023 - 2025.
- Lebensmittelverkäufer: von 27.715 auf 31.776 Euro jährlich, Wachstum von 14,65 Prozent
- Stylist: von 29.630 auf 33.954 Euro, +14,59 Prozent
- Kinder- und Jugendkrankenpfleger/in: von 39.114 auf 44.664 Euro, +14,19 Prozent
- Fachkraft für öffentliche Verwaltung: 48.118 auf 54.429 Euro, +13,12 Prozent
- Lokführer: 43.110 auf 48.561 Euro, +12,64 Prozent
- Orthopädietechniker: 33.288 auf 37.495 Euro, +12,64 Prozent
- Pflegehilfskraft: 30.752 auf 34.516 Euro, +12,24 Prozent
- Tourismusmanager: 33.396 auf 37.464 Euro, +12,18 Prozent
- Erzieher für Kleinkinder: 33.920 auf 37.875 Euro, +11,66 Prozent
- Assistent für Pflege und Unterstützung: 32.801 auf 36.579 Euro, +11,52 Prozent
Was prognostizieren die Experten?
Hermann Gartner betont, dass es schwierig ist, präzise vorherzusagen, in welchen Sektoren die Löhne weiterhin stark steigen werden, da dies auch erheblich von geopolitischen Umständen beeinflusst wird. Er weist auf den Unsicherheitsfaktor hin, der aus der außenhandelspolitischen Lage kommt, insbesondere im Kontext der aggressiven Zollpolitik, die Donald Trump ankündigt, falls er eine neue Amtszeit als US-Präsident gewinnt.
Doch durch die Analyse von Daten und Untersuchungen, die das IAB durchführt, haben Experten Sektoren identifiziert, in denen in den kommenden Jahren ein reales Potenzial für Lohnwachstum besteht. Dabei stechen vor allem IT-Berufe, Berufe in der Metallverarbeitung und der chemischen Industrie, der Kunststoffverarbeitungssektor, die Logistik sowie der Tiefbau- und Infrastruktursektor hervor, wo es immer schwieriger wird, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.
Der Gesundheitssektor, der bereits jetzt Anzeichen eines beschleunigten Einkommenswachstums zeigt, könnte im kommenden Jahrzehnt zu den wettbewerbsfähigsten in Bezug auf Verdienste gehören, insbesondere wenn sich der bisherige Trend der alternden Bevölkerung und der sinkenden Zahl ausgebildeter medizinischer Fachkräfte fortsetzt.
Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt eine Epoche bedeutender Veränderungen, und diese zeigen sich am deutlichsten durch das Lohnwachstum in Sektoren, die von Arbeitgebern und Politik früher oft vernachlässigt wurden. Der neue Trend zeigt, dass sich das System schrittweise an neue wirtschaftliche, gesellschaftliche und demografische Realitäten anpasst. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte er langfristig die Position der Arbeitnehmer stärken und die Unterschiede zwischen hoch- und niedrigbezahlten Berufen verringern.









