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Deutsche Arbeitgeber fordern drastische Maßnahmen: Erster Krankheitstag zulasten der Beschäftigten, Feiertage streichen

13.03.2026

Deutsche Arbeitgeber fordern drastische Maßnahmen: Erster Krankheitstag zulasten der Beschäftigten, Feiertage streichen

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat einen Siedepunkt erreicht, und führende Vertreter der Industrie machen offen deutlich, dass sie mit der aktuellen Politik die Geduld verlieren.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, richtete eine scharfe Warnung an die Bundesregierung und forderte dringende und tiefgreifende Reformen, die ein weiteres Zurückfallen hinter andere Industrienationen verhindern würden. Wie t-online berichtet, ist Dulger besonders kritisch gegenüber dem Mangel an Entschlossenheit von Kanzler Friedrich Merz und betont, dass kosmetische Veränderungen in einem Moment unzureichend sind, in dem die deutsche Wirtschaft bereits seit 2019 stagniert.

Radikale Vorschläge zur Eindämmung von Fehlzeiten am Arbeitsplatz

Einer der umstrittensten Vorschläge, der starke Reaktionen in der Öffentlichkeit ausgelöst hat, betrifft die Änderung des Systems der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dulger ist der Ansicht, dass die derzeitigen Krankenstände, insbesondere im öffentlichen Sektor, untragbar hoch sind, und schlägt die Einführung eines sogenannten Karenztages vor. Nach diesem Modell wären Arbeitgeber nicht verpflichtet, für den ersten Krankheitstag den Tageslohn zu zahlen, sondern diese finanzielle Last würde auf den Arbeitnehmer verlagert, mit der Möglichkeit, den versäumten Arbeitstag später nachzuholen. Eine solche Maßnahme soll nach Ansicht der Arbeitgeber die Zahl kurzfristiger Fehlzeiten verringern und potenzielle Missbräuche des Systems verhindern, wodurch der Fokus wieder auf Arbeitnehmer gerichtet würde, die aufgrund langfristiger gesundheitlicher Probleme tatsächlich Hilfe benötigen.

Unzufriedenheit mit dem Reformtempo von Kanzler Merz

Obwohl die Wirtschaftsprognosen für das laufende Jahr ein leichtes Wachstum von 1 Prozent vorausgesagt hatten, warnen Wirtschaftsvertreter, dass diese Zahlen trügerisch und für eine echte Erholung unzureichend seien. Dulger betont, dass der Sozialstaat in Deutschland rund 41 % der gesamten Staatsausgaben verschlingt, was das höchste Niveau in Europa sei, und dass ein solches System Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit ersticke. Von Kanzler Merz, in den Wirtschaftskreise große Hoffnungen gesetzt hatten, wird nun ein großer Eingriff in das Renten- und Gesundheitssystem verlangt, um die Arbeitskosten zu senken. Die Arbeitgeber erklären, dass die Sozialversicherungsbeiträge unter die Grenze von 40 % sinken müssten, damit den Beschäftigten mehr Nettoeinkommen bleibt, was zugleich ein Anreiz für ein größeres Arbeitsengagement wäre.

Erhöhung der Arbeitsstunden als Schlüssel zum Fortschritt

Neben Änderungen im System der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall liegen auch Vorschläge zur Verlängerung des Arbeitslebens und zur Abschaffung des vorzeitigen Ruhestands ohne Abschläge auf dem Tisch. Dulger betont, dass eine alternde Gesellschaft ihren Wohlstand nicht bei einer ständigen Verringerung der Arbeitsstunden bewahren kann, weshalb er sich für die Förderung von Vollzeitarbeit anstelle der immer beliebteren Modelle der verkürzten Woche einsetzt. Sogar die Diskussion über die Abschaffung mindestens eines gesetzlichen Feiertags gilt als legitimes Thema, wenn dies zur Erhöhung des gesamten Wirtschaftsvolumens beitragen würde. Kritik richtet sich auch gegen bürokratische Hürden, die trotz Versprechen der Digitalisierung den Geschäftsalltag deutscher Unternehmen weiterhin erschweren.

Notwendigkeit struktureller Veränderungen im Gesundheitswesen

Auch die Frage der Finanzierung des Gesundheitssystems erfordert ein dringendes Eingreifen des Staates, da das derzeitige Modell eine zu große Last auf die Beitragszahler abwälzt. Nach Schätzungen der BDA sollte der Staat die vollen Kosten der Krankenversicherung für Empfänger von Sozialhilfe übernehmen, was den Krankenkassen jährlich zusätzliche 10 Milliarden Euro bringen und eine Senkung der Beiträge für Arbeitnehmer ermöglichen würde. Statt Steuererhöhungen oder der Einführung neuer Abgaben sehen die Arbeitgeber die Lösung in der Digitalisierung des Krankenhaussystems und einer besseren Kostenkontrolle. Die an Berlin gerichtete Botschaft ist klar: Wenn die Regierung keine tiefgreifenden Einschnitte wagt, könnte die Frustration in der Wirtschaft in eine ernsthafte Vertrauenskrise mit langfristigen Folgen umschlagen.

Wir befinden uns in einem Moment, in dem der deutsche Unternehmenssektor in der Kommunikation mit der politischen Führung keine Worte mehr spart und Kanzler Merz klare Ultimaten stellt.

Der Vorschlag, den ersten Krankheitstag nicht zu bezahlen, ist nur die schärfste Spitze des Eisbergs einer tiefen Unzufriedenheit mit einem System, das als träge und zu teuer für den globalen Marktwettbewerb gilt. Während die Gewerkschaften erwartungsgemäß Widerstand gegen jeden Versuch ankündigen, Arbeitnehmerrechte zu beschneiden, bleibt abzuwarten, ob die Regierung den politischen Mut haben wird, Reformen durchzuführen, die die Arbeitgeber als Frage des Überlebens bezeichnen, oder ob Deutschland den Weg der kontrollierten Stagnation fortsetzen wird.