Plus
Anzeige schalten

Inflationsdaten überraschen kroatischen Experten nicht: „Das ist die neue Normalität“

02.10.2025

Inflationsdaten überraschen kroatischen Experten nicht: „Das ist die neue Normalität“

Kroatien befindet sich weiterhin an der Spitze der Rangliste der Eurozonenländer mit der höchsten Inflation, teilt sich zusammen mit der Slowakei den zweiten Platz, während vor uns nur Estland mit einer Inflation von 5,2 Prozent liegt.

Nach Angaben des Staatlichen Statistikamts stiegen die Verbraucherpreise im September im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 4,2 Prozent, und ein Preisanstieg wurde auch im Vergleich zum August verzeichnet. Am stärksten verteuerten sich Dienstleistungen, danach Lebensmittel, Getränke und Tabak, während die Energiepreise um 4,5 Prozent stiegen. Daten von Eurostat bestätigen, dass Kroatien unter den Staaten mit dem stärksten Inflationsdruck in der Eurozone bleibt, und zu den ersten fünf Ländern mit der höchsten Inflation gehören außerdem Lettland und Österreich.

Der Wirtschaftsanaly­tiker Mladen Vedriš betonte im Gespräch für RTL Danas , dass ihn die besorgniserregenden Daten nicht überrascht haben. Seinen Worten zufolge handelt es sich um einen verlängerten Effekt der Tourismussaison, in der die Preise nicht nur in touristischen Zentren, sondern im ganzen Land gestiegen sind. Ein solches Preisniveau ist in Kroatien nach Ansicht von Vedriš fast zu einer gewöhnlichen Erscheinung geworden, die die Öffentlichkeit immer häufiger als neue Normalität wahrnimmt.

Auf die Frage, warum Kroatien eine so hohe Inflation verzeichnet, erklärte der Analyst, dass es auf kleinen und geschlossenen Märkten wie dem kroatischen zur Dominanz großer Händler und Ketten kommt. Sie beobachten einander und halten auf diese Weise ein hohes Preisniveau aufrecht, anstatt Wettbewerb aufzubauen. Vedriš betont, dass gerade der Staat stärker reagieren sollte, und zwar mit einer Kombination aus Fiskal- und Steuerpolitik, monetärer Anpassung und entsprechenden Maßnahmen in der Einkommenspolitik.

Er ist auch der Ansicht, dass Verbraucherverbände eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Inflation spielen, die in Kroatien nicht stark genug sind. Vedriš hebt hervor, dass solche Organisationen regelmäßig Preisentwicklungen verfolgen und die Daten öffentlich veröffentlichen sollten, damit Bürger und Institutionen ein klares Bild davon haben, welche Produkte teurer werden und in welchem Ausmaß. Ohne das, fügt er hinzu, bewege sich die Wirtschaft durch einen „Preisnebel ohne GPS“.

Abschließend warnt er, dass die Inflation weiter steigen könnte, entweder schrittweise oder beschleunigt, was zu noch ernsteren Problemen führen könnte. Die Lösung sieht er in der Schaffung eines Systems, das Daten nicht nur gelegentlich erfasst, sondern Inflationstrends regelmäßig und entschlossen kontrolliert. Erfolgreiche Praktiken anderer Staaten, so Vedriš abschließend, zeigen, dass es möglich ist, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, aber nur, wenn die Behörden entschlossener und schneller zu handeln beginnen.