Inflation in Kroatien hält an: Preise steigen im Jahresvergleich um 3,4 Prozent
05.02.2026

Der Beginn des Jahres 2026 brachte nicht nur neue Zahlen zur Preisentwicklung, sondern auch eine der umfassendsten Veränderungen in der Art und Weise, wie in Kroatien und der Europäischen Union die Inflation gemessen wird.
Nach der ersten Schätzung des Staatlichen Statistikamts stiegen die Preise für Waren und Dienstleistungen für den persönlichen Verbrauch im Januar 2026 im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres um 3,4 %, doch hinter diesem Prozentsatz verbirgt sich eine völlig neue Methodik, die künftig die tatsächlichen Verbrauchergewohnheiten präziser widerspiegeln wird.
Dienstleistungen führen den Preisanstieg weiterhin an
Obwohl sich die Gesamtinflationsrate stabilisiert hat, zeigt ein Blick auf die Struktur der Preissteigerungen, dass der Druck auf die Haushaltsbudgets nicht gleichmäßig nachlässt. Betrachtet nach den Hauptkomponenten des Index kommt der stärkste Schlag gegen den Lebensstandard der Bürger weiterhin aus dem Dienstleistungssektor. Die geschätzte jährliche Wachstumsrate für Dienstleistungen beträgt hohe 7,2 %, was die übrigen Kategorien deutlich übertrifft. Die Energiepreise stiegen um 3,7 %, während Lebensmittel, Getränke und Tabak einen Anstieg von 3,0 % verzeichneten. Interessant ist, dass industrielle Non-Food-Produkte ohne Energie mit einem Anstieg von nur 0,1 % nahezu unverändert blieben.
Auf monatlicher Ebene, also im Vergleich zum Dezember 2025, lagen die Preise im Durchschnitt um 0,3 % höher. Auch hier führen Dienstleistungen mit einem monatlichen Anstieg von 2,2 % sowie Energie mit 1,8 %, während bei industriellen Non-Food-Produkten ein saisonaler Rückgang von 3,4 % verzeichnet wurde, wahrscheinlich ausgelöst durch die Januarschlussverkäufe.
Großes methodologisches 'Aufräumen' des Warenkorbs
Doch die Hauptnachricht ist nicht nur die Höhe der Inflation, sondern die Art und Weise, wie sie seit diesem Januar berechnet wird. Das Staatliche Statistikamt hat in Anpassung an die europäischen Vorschriften begonnen, die neue Europäische Klassifikation des Individualverbrauchs nach Verwendungszweck anzuwenden, besser bekannt als ECOICOP Version 2. Einfach gesagt wurde der statistische 'Warenkorb' aus Produkten und Dienstleistungen, den das Amt zur Berechnung der Inflation beobachtet, gründlich reorganisiert und modernisiert, damit er der Realität des 21. Jahrhunderts besser entspricht. Diese neue Klassifikation ist identisch mit den Standards der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018 und bringt eine präzisere Unterteilung von Waren und Dienstleistungen.
Das Hauptziel dieser Änderung ist eine klarere Unterscheidung zwischen Waren und Dienstleistungen. So wurden beispielsweise völlig neue Kategorien für Reparatur-, Installations- und Mietdienstleistungen geschaffen, die zuvor statistisch oft im Preis der Produkte selbst 'untergingen'. Dadurch ergibt sich ein klareres Bild davon, ob das Produkt selbst oder die damit verbundene Dienstleistung teurer wird.
Glücksspiele erstmals in der Inflationsberechnung
Die vielleicht interessanteste Neuerung für die breite Öffentlichkeit ist die Einbeziehung von Glücksspielen in die Berechnung des Verbraucherpreisindex. Historisch gesehen waren die Kosten für Lotterie, Wetten und ähnliche Spiele aufgrund nicht harmonisierter Methodologien zwischen den Ländern der Europäischen Union kein Teil der Inflationsstatistik. Die neue Regulierung schreibt jedoch vor, dass ab Januar 2026 auch diese Kategorie erfasst werden muss. Glücksspiele werden nun innerhalb des Bereichs Freizeit, Sport und Kultur klassifiziert, genauer gesagt als Teil der Freizeitdienstleistungen. Das bedeutet, dass Preissteigerungen bei Lottoscheinen oder Wetteinsätzen von nun an offiziell die Inflationsrate beeinflussen werden, womit anerkannt wird, dass auch dies Teil der Konsumrealität vieler Haushalte ist.
Lieferung und digitale Dienstleistungen an neuem Platz
Die Reorganisation erfasste auch alltägliche Kategorien wie Verkehr und Kommunikation. Bisher wurde die Liefergebühr oft als Teil des Preises der gekauften Ware geführt, doch nach den neuen Regeln wird der Gütertransport klar getrennt und in den Abschnitt Verkehr aufgenommen. Dies ist ein logischer Schritt im Zeitalter des Online-Handels, in dem die Lieferkosten zu einem immer bedeutenderen Posten werden.
Der Sektor, den wir als 'Kommunikation' kannten, hat ein bedeutendes Redesign und eine Namensänderung zu "Information und Kommunikation" erfahren. Diese Änderung ist nicht nur kosmetischer Natur, denn die Kategorie umfasst nun neue Arten von Informationsausrüstung und Dienstleistungen und übernimmt einen Teil der Produkte, die zuvor unter Freizeit und Kultur eingeordnet waren. Damit versucht die Statistik, mit dem schnellen technologischen Fortschritt und der Tatsache Schritt zu halten, dass intelligente Geräte heute sowohl für die Arbeit als auch für die Kommunikation und Unterhaltung dienen.
Zurücksetzen des Maßstabs: 2025 als neues Basisjahr
Neben der Änderung der Klassifikation haben die Statistiker auch die 'Waage zurückgesetzt', mit der sie Preisveränderungen messen. Es wird ein neuer Referenzzeitraum eingeführt, sodass sich das Basisjahr von 2015 auf 2025 verschiebt. In der Praxis bedeutet dies, dass alle künftigen Preisveränderungen mit dem Durchschnitt des Jahres 2025 verglichen werden, der als Index 100 festgelegt wurde.
Eine solche Anpassung erfolgt alle zehn Jahre auf Ebene der gesamten Europäischen Union, um sicherzustellen, dass die Indizes nicht veralten. Wichtig ist zu betonen, dass diese technische Änderung die Geschichte nicht auslöschen wird. Das Staatliche Statistikamt wird die historischen Datenreihen auf die neue Basis umrechnen und so sicherstellen, dass die Daten rückwirkend bis zum Ende der neunziger Jahre vergleichbar sind, wobei die Veränderungsraten bis auf die zweite Dezimalstelle gleich bleiben.
Was folgt?
Die endgültigen Inflationsdaten für Januar 2026, die die erste Schätzung von 3,4 % bestätigen werden, werden am 24. Februar 2026 veröffentlicht. Dann werden der Öffentlichkeit auch detaillierte historische Reihen nach der neuen Methodik zugänglich gemacht. Auch wenn es sich auf den ersten Blick um trockene statistische Änderungen handelt, sind sie für die Glaubwürdigkeit wirtschaftlicher Indikatoren von entscheidender Bedeutung. In Zeiten, in denen jede Dezimalstelle der Inflation Renten, Löhne und Zinssätze beeinflusst, wird ein präziseres und moderneres Instrument zur Messung von Preissteigerungen zur Notwendigkeit und nicht nur zu einer bürokratischen Formalität. Durch die Einbeziehung von Kosten wie Lieferung und Glücksspielen ist die amtliche Statistik tatsächlich einen Schritt näher an das wirkliche Leben und den realen Geldbeutel der kroatischen Bürger gerückt.









