Top-Gehälter in Deutschland, aber Arbeitskräfte fehlen: „Warum hohe Summen nicht mehr ausreichen“
27.01.2026

Deutschland kämpft seit Jahren mit einem ernsthaften Arbeitskräftemangel, doch die Gründe für dieses Problem werden oft fälschlich vereinfacht.
In der Öffentlichkeit ist meist von niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen die Rede, doch deutsche Medien weisen auf ein anderes und deutlich unangenehmeres Paradox hin. Es gibt Berufe, die überdurchschnittliche, ja sogar sehr hohe Gehälter bieten, für die sich aber kaum interessierte Arbeitskräfte finden, schreibt Fenix Magazin. Es handelt sich um Tätigkeiten, die stabil, langfristig gefragt und finanziell lohnend sind, aber körperliche, psychologische oder gesellschaftliche Belastungen mit sich bringen, die viele nicht bereit sind zu akzeptieren.
Das Fleischerhandwerk bringt ein sicheres Einkommen, schreckt aber junge Menschen ab
Der Beruf des Fleischers ist in Deutschland heute ein Mangelberuf, obwohl er finanziell keineswegs unbedeutend ist. Das jährliche Bruttogehalt in diesem Beruf kann etwa 49.400 Euro erreichen, was über dem Durchschnitt vieler anderer Handwerksberufe liegt.
Trotzdem nimmt das Interesse an diesem Beruf ab. Das Problem liegt nicht nur in der Arbeit mit Fleisch. Der Arbeitstag eines Fleischers findet oft in Räumen mit Temperaturen zwischen 2°C und 7°C bei ständiger Feuchtigkeit statt, was auf Dauer Gelenke und Gesundheit belastet. Hinzu kommen unsoziale Arbeitszeiten. In der Produktion beginnen Fleischer nicht selten schon um 2 oder 3 Uhr morgens zu arbeiten, damit die Produkte für die Geschäfte bereit sind. Ein solcher Rhythmus macht ein normales Familien- und Sozialleben fast vollständig unmöglich.
Ein zusätzlicher Faktor ist der Wertewandel bei den jüngeren Generationen. Das wachsende ökologische und ethische Bewusstsein, insbesondere unter Angehörigen der Generation Z, hat dazu geführt, dass das Fleischerhandwerk als moralisch fragwürdiger Beruf wahrgenommen wird, unabhängig von Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit.
Bestatter verdienen gut, aber der Preis ist emotional
Der Beruf des Bestatters gehört zu denen, die die Gesellschaft braucht, die aber kaum jemand ausüben möchte. Finanziell betrachtet handelt es sich dennoch um einen sehr lohnenden Beruf. In kleineren Bestattungsunternehmen oder bei selbstständiger Tätigkeit kann das Jahreseinkommen etwa 43.900 Euro erreichen.
Allerdings geht mit der emotionalen Belastung der ständigen Konfrontation mit dem Tod in Deutschland für Bestatter auch die Pflicht zur ständigen Bereitschaft einher. Der Tod kennt weder Wochenenden noch Feiertage, was bedeutet, dass viele Bestatter 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr verfügbar sind. Außerdem entfällt ein großer Teil des Arbeitstags auf komplexe und streng regulierte Verwaltung, von Genehmigungen bis hin zu gesetzlichen Verfahren. So wird der Beruf zu einer Kombination aus emotional anspruchsvoller Arbeit und erschöpfender Bürokratie.
Fernsehplaner unter Druck, aber mit sehr hohen Gehältern
Zu den besser bezahlten, aber unbeliebten Berufen gehört auch die Tätigkeit des Fernsehplaners. Dabei handelt es sich um eine Person, die über den Sendeplan von Sendungen und Produktionen entscheidet und damit direkten Einfluss auf Einschaltquoten und Einnahmen der Fernsehsender hat.
Für diese Tätigkeit ist ein jährliches Bruttogehalt von bis zu 78.400 Euro möglich. Dennoch verliert das lineare Fernsehen im Zeitalter von Streaming-Diensten wie Netflix und Disney Publikum, und der Druck auf die Planer war nie größer. Jede falsche Entscheidung kann den Verlust von Millionen Euro an Werbeeinnahmen, einen Vertrauensverlust bei der Geschäftsleitung oder sogar Entlassungen bedeuten. Ein solches Umfeld hat zu einer hohen Rate an beruflichem Burnout geführt, weshalb sich trotz des hohen Gehalts immer weniger Menschen für diese Karriere entscheiden.
Die Müllabfuhr bietet Gehälter von bis zu 91.000 Euro im Jahr
Eines der eindrucksvollsten Beispiele kommt aus dem Bereich der Abfallwirtschaft. Obwohl es sich um eine Arbeit handelt, ohne die Städte sehr schnell im Chaos versinken würden, ist die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Tätigkeit weiterhin negativ.
Führungspositionen in diesem Sektor können bis zu 91.300 Euro im Jahr einbringen, während Beschäftigte im Außendienst etwa 39.600 Euro jährlich verdienen. Trotzdem bleiben Gerüche, der Kontakt mit Abfall und körperliche Anstrengung unvermeidlich. Die Beschäftigten sind täglich Belastungen für Wirbelsäule, Knie und Gelenke ausgesetzt, weil sie ständig in die Fahrzeuge ein- und aussteigen, was bei vielen die Frage aufwirft, ob sie eine solche Arbeit bis zum gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren ausüben können.
Priester und Pastoren haben stabile und hohe Einkommen
Der priesterliche und pastorale Beruf wird oft ausschließlich als geistlicher Dienst wahrgenommen, ist in Deutschland jedoch auch finanziell stabil. Das durchschnittliche jährliche Bruttogehalt beträgt etwa 53.800 Euro, während höhere Positionen bis zu 85.400 Euro erreichen können, und die Einkommenssicherheit wird durch die Kirchensteuer gewährleistet.
Dennoch kann finanzielle Sicherheit den Verlust von gesellschaftlichem Ansehen und Privatsphäre nicht ausgleichen. Aufgrund zahlreicher Skandale verliert die Kirche in Deutschland an Autorität, und Priester geraten immer häufiger in die Rolle derjenigen, die sich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen. In kleineren Gemeinden existiert die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben fast gar nicht, was viele von dieser Berufung abschreckt.
Warum hohe Gehälter nicht mehr ausreichen?
Diese Beispiele zeigen deutlich, dass sich in Deutschland die Prioritäten der Generationen verschoben haben. Während für ältere Generationen Sicherheit und ein festes Gehalt entscheidend waren, legen heutige Arbeitnehmer immer mehr Wert auf psychische Gesundheit, Freizeit, Flexibilität und gesellschaftliches Prestige.
Berufe, die Geld bieten, aber den Verzicht auf Privatleben, Gesundheit oder Würde verlangen, finden immer schwerer Arbeitskräfte. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden viele dieser Berufe in Zukunft nur noch von eng spezialisierten Enthusiasten oder automatisierten Systemen ausgeübt werden können.
Deutschland sieht sich mit einer klaren Botschaft des Arbeitsmarktes konfrontiert. Hohe Gehälter reichen nicht mehr aus. In einer Zeit, in der Zeit und Ansehen zur neuen Währung geworden sind, bleiben Berufe, die sie nehmen, unabhängig von der Höhe auf dem Gehaltszettel, unbesetzt.









