Kroatien - Beschäftigte im öffentlichen Dienst verdienen 600 Euro mehr als Arbeitnehmer im Privatsektor
20.04.2026

Die immer lauter werdende Unzufriedenheit der Arbeitnehmer in ganz Kroatien gipfelte in den jüngsten Protesten für höhere Einkommen und würdevollere Renten.
Die Gewerkschaften warnen, dass für viele Bürger das tägliche Überleben zu einer wahren 'Kunst' geworden ist.
Wie RTL Danas berichtet, offenbaren die tatsächlichen Daten trotz der Geschichten über einen wirtschaftlichen Aufschwung eine tiefe und ungerechte Kluft zwischen Beschäftigten im privaten und im öffentlichen Sektor. Analysen zeigen klar, dass es finanziell lohnender ist, ein Gehalt aus dem Staatshaushalt zu beziehen, als bei einem privaten Arbeitgeber zu arbeiten.
Rekordunterschiede bei den Einkommen
Der Chefökonom des kroatischen Arbeitgeberverbands, Hrvoje Stojić, betont, dass die Unterschiede zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor historische Höchststände erreicht haben.
Den neuesten Analysen zufolge erhalten Beschäftigte im öffentlichen Dienst im Durchschnitt 600 Euro mehr pro Monat auf ihre Konten als Arbeitnehmer im privaten Sektor. Dieses unglaubliche Missverhältnis beträgt derzeit enorme 30,9 Prozent zugunsten derjenigen, deren Arbeitgeber der Staat ist.
Die Zahlen aus den Vorjahren veranschaulichen deutlich das Wachstum dieses Trends zum Nachteil der Privatwirtschaft. Im Jahr 2019 betrug dieser Unterschied 15,3 Prozent, bis 2022 stieg er auf 19 Prozent, während er im Jahr 2025 auf fast ein Drittel Unterschied zugunsten des öffentlichen Sektors sprang.
Ein ungewöhnliches europäisches Phänomen
Eine solche wirtschaftliche Situation ist in der Europäischen Union eine echte Seltenheit.
Wie net.hr schreibt, sind die Einkommen in den meisten europäischen Staaten ausgewogener, und die Länder, in denen der öffentliche Sektor deutlich mehr verdient als der private, gehören überwiegend zu den am wenigsten entwickelten europäischen Mitgliedstaaten. Experten des Arbeitgeberverbands erklären, dass diese massive Kluft entstanden ist, weil die gesamte Lohnsumme im öffentlichen Sektor in nur drei Jahren um ganze 51 Prozent gestiegen ist.
Andererseits bieten die Gewerkschaften auch eine andere Erklärung an und weisen darauf hin, dass private Arbeitnehmer oft benachteiligt sind, weil ihnen die Organisation und das Aushandeln besserer Rechte erschwert wird. Der Vorsitzende der Unabhängigen kroatischen Gewerkschaften, Dražen Jović, warnt auch vor dem enormen Problem der Schattenwirtschaft. Ein erheblicher Teil des Geldes in Sektoren wie Bauwesen, Tourismus und Handel wird weiterhin bar auf die Hand ausgezahlt, außerhalb der offiziellen Steuererfassung, was den offiziellen Durchschnittslohn bei privaten Arbeitgebern künstlich senkt.
Zwei völlig unterschiedliche Welten
Die Regeln des wirtschaftlichen Spiels sind völlig unterschiedlich, je nachdem, wer das monatliche Einkommen auszahlt. Der Professor der Wirtschaftsfakultät in Zagreb, Ljubo Jurčić, erklärt dieses Phänomen sehr einfach, indem er anführt, dass in staatlichen Diensten die Beträge auf den Gehaltsabrechnungen oft nach politischen Entscheidungen und Dekreten festgelegt werden. Andererseits hängt der private Sektor ausschließlich von realen Einnahmen und Produktivität auf dem gnadenlosen freien Markt ab. Dennoch weisen heimische Experten darauf hin, dass auch private Unternehmer nicht völlig ohne Verantwortung sind und ihr Geschäftsmodell sich schneller und besser an moderne wirtschaftliche Herausforderungen und technologische Transformationen anpassen muss.
Am Ende gelangen wir zu dem gewaltigen Absurdum unseres Systems, in dem Arbeitnehmer, die neuen Wert schaffen und die Staatskasse direkt füllen, deutlich schlechter dastehen als jene, die aus eben dieser Kasse finanziert werden. Während der private Sektor tägliche Kämpfe mit Marktunruhen führt, der Produktivität nachjagt und um jeden Euro bangt, genießt der öffentliche Sektor finanzielle Sicherheit und Gehälter, die im Durchschnitt um enorme 600 Euro höher sind.
Langfristig betrachtet ist ein solches wirtschaftliches Ungleichgewicht schlicht nicht tragfähig, weil es gerade jene Menschen zutiefst demotiviert, von deren täglicher Mühe und Arbeit das Überleben der gesamten Gesellschaft abhängt. Es sind dringende und tiefgreifende Veränderungen notwendig, damit sich ehrliche Arbeit im privaten Sektor wieder zu lohnen beginnt und die gesamte finanzielle Last gerechter auf alle Bürger verteilt wird.











