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Entlassungen in der deutschen Bauwirtschaft beginnen: Das Problem ist viel tiefer und gefährlicher

23.01.2024

Entlassungen in der deutschen Bauwirtschaft beginnen: Das Problem ist viel tiefer und gefährlicher

Im Jahr 2024 wird es nach mehr als 15 Jahren zu den ersten Entlassungen kommen. 10 Tausend Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Wegen der Krise im Wohnungsbau erwartet die deutsche Bauindustrie 2024 die ersten Entlassungen in der Branche seit der Finanzkrise 2008. „Wir erwarten, dass in den kommenden Monaten etwa 10.000 Beschäftigte entlassen werden müssen“, sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bauindustrie HDB, der deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Der Grund ist die schwache Konjunktur des Bausektors. Während der gewerbliche und öffentliche Bau im Jahr 2023 nur einen leichten Umsatzrückgang verzeichneten, sank der Umsatz im Wohnungsbau um 12 Prozent, sagte Müller: „Wir gehen davon aus, dass der Umsatz im Wohnungsbau im Jahr 2024 um weitere 12 Prozent sinken wird.“

Das wirkt sich auf die Industrie aus. Laut einer Umfrage unter den HDB-Mitgliedern erwarten 55 Prozent der 450 befragten Unternehmen dass ihr Gewinn 2024 sinken wird. 60 Prozent der Firmen wollten die Belegschaft stabil halten, 12 Prozent wollten sie ausbauen, und fast ein Drittel (29 Prozent) wollte Stellen abbauen.

Es wird an Fachkräften fehlen

Laut HDB waren 2023 in der Bauindustrie 927.000 Menschen beschäftigt. Der Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen entspricht nur etwa einem Prozent der Arbeitsplätze in diesem Sektor.

Die Prognosen sind dennoch besorgniserregend, denn es wird erwartet, dass im Baugewerbe im Jahr 2030 rund 120.000 Fachkräfte fehlen werden, allein aufgrund demografischer Veränderungen, sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Müller. „Was auch immer passiert, wir müssen einstellen, um das Niveau qualifizierter Arbeitskräfte zu halten – trotz der Krise.“ Bauen wird dringender gebraucht als je zuvor. „Vor allem wenn der Motor des Wohnungsbaus wieder anspringt, wird uns jede einzelne qualifizierte Arbeitskraft fehlen, die wir jetzt zu verlieren drohen.“

Angesichts gestiegener Zinsen und verteuerter Baustoffe steht der Wohnungsbau in Deutschland still: Das Ifo-Institut erwartet, dass im Jahr 2024 nur 225.000 Wohnungen gebaut werden, verglichen mit geschätzten 270.000 im vergangenen Jahr. Auch die DZ Bank sieht einen Abwärtstrend: Bis 2025 könnte die Zahl der jährlich fertiggestellten Wohnungen auf 200.000 Wohnungen sinken. Das wäre halb so viel, wie die Regierungskoalition geplant hatte. Gleichzeitig gibt es einen erheblichen Mangel an Wohnraum, besonders in den Städten, was sich auch auf den Anstieg der Mieten ausgewirkt hat.

Quelle: dw.com