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Kroatien überholt Tschechien: Durchschnittslohn nähert sich dem slowenischen Niveau

21.08.2025

Kroatien überholt Tschechien: Durchschnittslohn nähert sich dem slowenischen Niveau

Die neuesten Daten des Staatlichen Statistikamts zeigen, dass die Löhne in Kroatien stark gestiegen sind und das Land nicht mehr am unteren Ende der europäischen Rangliste steht. Im Gegenteil, Kroatien hat in der ersten Hälfte des Jahres 2025 Tschechien überholt, das jahrelang als stabile Wirtschaft mit hohen Einkommen galt. Der durchschnittliche Bruttolohn in Kroatien liegt nun etwa hundert Euro höher als in Tschechien, und auch beim realen Wachstum gab es eine bedeutende Verschiebung, da die Löhne schneller stiegen als die Inflation, schreibt Jutarnji list.

Löhne im ständigen Wachstum

Im Juni dieses Jahres betrug der durchschnittliche Nettolohn in Kroatien 1444 Euro, was fast 10 Prozent mehr ist als im Juni des vergangenen Jahres. Wenn die Inflation eingerechnet wird, bedeutet das ein reales Wachstum von fast sechs Prozent. Die höchsten Einkommen erzielen weiterhin Beschäftigte im Luftverkehr, wo der Lohn durchschnittlich 2279 Euro beträgt, während am Ende der Skala Arbeiter in der Textilindustrie mit 926 Euro stehen. Der Medianlohn, der die tatsächliche Situation vielleicht am besten darstellt, betrug 1233 Euro.

Veränderung in der Struktur des Wachstums

Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren, als das Lohnwachstum vor allem vom öffentlichen Sektor angeführt wurde, sind nun Staatsunternehmen, kommunale Dienste und der private Sektor in den Vordergrund gerückt. Das größte Wachstum verzeichnen die Energiewirtschaft und die Wasserversorgung mit Steigerungen von mehr als 15 Prozent, während in der verarbeitenden Industrie, im Bauwesen, im Handel und im Transport die Löhne um mehr als 12 Prozent gestiegen sind.

Wettlauf mit den Nachbarn

Laut einer Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche ist Kroatien bei der Höhe des Bruttolohns auf den dritten Platz unter zehn beobachteten Ländern Mittel- und Osteuropas aufgestiegen. Slowenien liegt weiterhin vorn mit einem durchschnittlichen Bruttolohn von 2464 Euro, und Polen ist mit 2076 Euro Zweiter. Kroatien hat mit 1968 Euro Tschechien überholt, wo der durchschnittliche Bruttolohn 1871 Euro beträgt. Am Ende der Skala stehen Bulgarien und die Slowakei mit Löhnen, die bis zu 400 Euro niedriger sind als die kroatischen.

Mindestlohn und regionaler Kontext

Der Mindestbruttolohn in Kroatien beträgt jetzt 970 Euro. In Slowenien ist er deutlich höher, nämlich 1278 Euro, während er in Polen 1100 Euro beträgt. Tschechien liegt unter Kroatien mit 841 Euro, und die niedrigsten Mindestlöhne haben Ungarn und Rumänien. Obwohl Tschechien insgesamt weiterhin wirtschaftlich stärker entwickelt ist als Kroatien, verlangsamt sich dort das Lohnwachstum, während Kroatien in den vergangenen Jahren spürbar beschleunigt hat.

Die Frage der Produktivität

Experten warnen, dass das Lohnwachstum in Kroatien in letzter Zeit das Produktivitätswachstum übertrifft. Laut der Analystin Elizabeta Sabolek Resanović von RBA haben sich die Unternehmen aufgrund des Arbeitskräftemangels entschieden, die bestehenden Beschäftigten trotz der Verlangsamung der Wirtschaft zu halten, was den Arbeitsmarkt zusätzlich gefestigt, aber auch seine Effizienz verringert hat. Kroatien ist somit neben dem hohen Lohnwachstum mit der Herausforderung konfrontiert, wie die weitere wirtschaftliche Entwicklung mit dem Bedarf an höherer Produktivität in Einklang gebracht werden kann.