Manche Unternehmen zahlen Beschäftigten ohne Krankmeldung einen Bonus von bis zu 1.000 Euro
05.06.2025

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In Deutschland variiert die Zahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten je nach Quelle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die durchschnittliche Dauer der Krankschreibung im Jahr 2023 15,1 Arbeitstage pro Beschäftigtem. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) nennt sogar 22,4 Tage, während die Techniker Krankenkasse (TK) 19,4 Tage und die OECD 24,9 Krankheitstage pro Person im Jahr 2022 schätzte.
Diese Zahlen sind aufgrund unterschiedlicher Methoden der Datenerhebung nicht immer vergleichbar. In Deutschland müssen Arbeitnehmer nicht sofort eine ärztliche Krankmeldung vorlegen, sondern erst nach dem dritten Fehltag, was die Genauigkeit der Statistik beeinflussen kann, schreibt Fenix Magazin.
Gesetzlich haben Beschäftigte Anspruch auf die Zahlung des vollen Gehalts während der ersten sechs Wochen der Krankschreibung, danach übernimmt die Krankenversicherung die Leistung. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erreichten die Kosten, die Arbeitgeber aufgrund der fortlaufenden Lohnzahlung während der Krankheit im Jahr 2023 tragen mussten, 76,7 Milliarden Euro.
Keine gesetzliche Regelung, aber Boni sind häufig
Das deutsche Gesetz schreibt keine besonderen Regeln in Bezug auf Anwesenheitsboni vor. Unternehmen entscheiden selbst, ob und wie sie Arbeitnehmer belohnen wollen, die selten oder nie krankgeschrieben sind. Diese Boni sind meist durch interne Regelungen oder Arbeitsverträge geregelt und werden zusammen mit dem regulären Gehalt ausgezahlt.
Praxisbeispiele: Bis zu 1.000 Euro jährlich
Tesla ist eines der bekannteren Unternehmen, das Arbeitnehmer für das Ausbleiben von Krankmeldungen belohnt; Beschäftigte, die am Jahresende den sogenannten Goldstatus erreichen, erhalten laut einem Bericht des Handelsblatts vom Juni 2024 einen Bonus von 1.000 Euro. Ähnlich zahlt das Verkehrsunternehmen KVG aus Kiel 250 Euro pro Quartal an diejenigen, die nicht krankgeschrieben waren, während Personen mit bis zu zwei Fehltagen 200 Euro und mit drei bis vier Tagen 125 Euro erhalten. Der maximale Jahresbonus kann 1.000 Euro erreichen.
SGM, ein Sicherheitsunternehmen am Flughafen München, zahlt ebenfalls einen Anwesenheitsbonus, obwohl die Höhe nicht bekannt ist. I-SEC, ein Anbieter von Sicherheitsdienstleistungen am Flughafen Frankfurt, zahlt einen täglichen Bonus von 2,50 Euro, was monatlich bis zu 50 Euro ausmacht.
Das Unternehmen Hamburger Hochbahn zahlt seinen Beschäftigten alle sechs Monate 615,62 Euro, und ein Abzug wird erst ab dem dritten Krankheitstag im Halbjahr vorgenommen. Der Bonus wird nicht ausgezahlt, wenn der Arbeitnehmer im Halbjahr mehr als 17 Tage krankgeschrieben ist. Der Händler Zurheide Feine Kost belohnt Beschäftigte nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit mit einem Anwesenheitsbonus.
Mercedes schaffte den Bonus ab, Experten warnen vor Risiken
Mercedes zahlte bis Ende 2019 einen jährlichen Bonus von 200 Euro brutto an Arbeitnehmer, die nicht krankgeschrieben waren, schaffte diese Praxis jedoch ohne Erklärung ab.
Obwohl Anwesenheitsboni die Zahl der Fehlzeiten verringern können, warnen Experten vor möglichen negativen Folgen. Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der AOK Niedersachsen betont, dass solche Anreize dazu führen können, dass kranke Arbeitnehmer zur Arbeit kommen und damit die Gesundheit ihrer Kollegen gefährden. Empfohlen wird, den Schwerpunkt auf die Gesundheit und Genesung der Beschäftigten zu legen und nicht nur auf die Anwesenheit.









