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Strengere Regeln in Deutschland: Merz erwägt Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

23.02.2026

Strengere Regeln in Deutschland: Merz erwägt Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat erneut eine heftige Debatte über Arbeitsethik und die Belastung des Gesundheitssystems in der stärksten europäischen Volkswirtschaft angestoßen.

Der Kanzler bekräftigte öffentlich seine Kritik an der rekordverdächtig hohen Zahl an Tagen, die Arbeitnehmer krankgeschrieben verbringen, und warnte, dass ein solcher Zustand für deutsche Unternehmen, aber auch für den öffentlichen Sektor untragbar werde. Wie die deutsche WELT schreibt, legt Merz besonderen Nachdruck auf die Praxis der Krankschreibung per einfachem Telefongespräch, die er abschaffen will. Dieses Verfahren sieht er als einen der Hauptfaktoren, die zu einer höheren Zahl von Krankheitstagen beitragen.

Das Problem der Ferndiagnose

Der Hauptstreitpunkt in der deutschen Öffentlichkeit ist derzeit die sogenannte telefonische Krankschreibung. Diese Praxis wurde während der Coronavirus-Pandemie eingeführt, um das Gedränge in Wartezimmern zu verringern und die Ausbreitung von Ansteckungen zu verhindern, wurde jedoch bis heute beibehalten. Merz und seine Mitstreiter aus den Reihen der Union sind der Ansicht, dass ein solches Modell heute überflüssig ist und Missbrauch Tür und Tor öffnet.

Der Kanzler betont, dass sogar die Ärzte selbst einräumen, dass sie nicht qualitativ beurteilen können, ob ein Patient tatsächlich arbeitsunfähig ist, wenn sie ihn nicht persönlich in der Praxis untersucht haben. Seinen Worten zufolge spiegeln durchschnittlich vierzehneinhalb Krankheitstage pro Arbeitnehmer und Jahr nicht das tatsächliche Bild wider, weil in diese Zahl die kürzesten Fehlzeiten von ein oder zwei Tagen nicht eingerechnet sind, was bedeutet, dass der tatsächliche Verlust an Arbeitsstunden noch größer ist.

Konflikt zwischen Politik und Fachwelt über die Ursachen von Krankheiten

Während der Kanzler die Lösung in der Abschaffung von Erleichterungen und darin sieht, die Menschen zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze zu bewegen, bieten Oppositionsparteien und ein Teil der Fachleute eine völlig andere Perspektive. Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist der Ansicht, dass die Zahl der Krankheitstage nicht durch strengere Regeln und Druck auf Kranke gesenkt werden sollte, sondern durch bessere Präventivmedizin, etwa durch die frühzeitige Erkennung von Bluthochdruck oder die Eindämmung des Rauchens. Andererseits warnen Vertreter der Linken und der Gewerkschaften, dass die Arbeitnehmer schlicht überlastet sind.

Sie betonen, dass Politiker über chronischen Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen sprechen sollten, die Burnout verursachen, anstatt den Beschäftigten indirekt mangelnde Arbeitsmoral vorzuwerfen.

Statistik und das tatsächliche Bild vor Ort

Offizielle Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen den Trend steigender Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Im vergangenen Jahr waren Arbeitnehmer im Durchschnitt fast fünfzehn Tage krankgeschrieben, was einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Zeitraum vor einigen Jahren darstellt. Einen Teil dieses Anstiegs schreiben Fachleute auch der Einführung elektronischer Bescheinigungen zu, die eine genauere Erfassung jeder Fehlzeit ermöglichen, während Studien der Krankenversicherungen zeigen, dass die Hauptursachen für Krankschreibungen tatsächlich Atemwegserkrankungen sind. Trotz der Zweifel des Kanzlers deuten einige Untersuchungen darauf hin, dass die Mehrheit der Bürger die telefonische Krankschreibung unterstützt, weil sie ihnen Zeit spart und das Risiko zusätzlicher Ansteckungen in überfüllten ärztlichen Wartezimmern verringert.

Zwischen Gesundheit und Profit

Die Frage der Krankschreibung in Deutschland ist längst nicht mehr nur ein medizinisches Thema, sondern zu einer politischen Frage ersten Ranges geworden, an der sich die Debatte über die Zukunft der deutschen Wirtschaft entzündet. Während Merz versucht, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Staates durch die Verringerung von Fehlzeiten zu stärken, stößt er auf den Widerstand jener, die glauben, dass Produktivität nicht auf erschöpften und kranken Arbeitnehmern aufgebaut werden kann. Die derzeitige Koalitionsvereinbarung sieht bestimmte Änderungen im System telefonischer Entschuldigungen vor, um Missbrauch über private Internetplattformen zu verhindern, doch die vollständige Abschaffung dieser Maßnahme bleibt weiterhin Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Letztlich wird Deutschland ein Gleichgewicht finden müssen zwischen der Flexibilität, die die moderne Zeit verlangt, und der Kontrolle, die die Stabilität des Arbeitsmarktes sichert.