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Deutschland: Entweder Masseneinwanderung oder Katastrophe!

05.09.2022

Deutschland: Entweder Masseneinwanderung oder Katastrophe!

Die Regierung in Berlin bereitet nach kanadischem Vorbild eine deutsche Version der Green Card vor, denn sie hat Millionen offener Arbeitsplätze, und die Demografie ist unerbittlich. Besonders gern gesehen sind Arbeitskräfte vom Westbalkan.

„Wir führen eine Chancenkarte mit einem transparenten Punktesystem ein, damit Menschen, die unser Land braucht, leichter zu uns kommen“, sagte Arbeitsminister Hubertus Hail (SPD) der Sonntagsausgabe des Boulevardblatts Bild.

Die sogenannte Chancenkarte (Chancenkarte) erinnert stark an die amerikanische oder kanadische Green Card (Green Card). So etwas fordern vor allem Arbeitgeber in Deutschland schon lange. Denn dem Land fehlen Arbeitskräfte. Die unerbittliche Demografie sagt, dass bis 2035 sieben Millionen Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt sein werden – sofern die Zuwanderung nicht deutlich zunimmt.

Der sozialdemokratische Minister Hail sagt, dass es schwer sei, in Deutschland Arbeit zu suchen, wenn man nicht physisch hier ist, und deshalb will er auch die Einreise selbst erleichtern.

Nach derzeitigem Stand wird jeder, der in Deutschland eine Ausbildung – gleich welcher Stufe – abgeschlossen hat, automatisch die Chancenkarte erhalten.

Wenn nicht, dann muss er drei von vier Kriterien erfüllen: Ausbildung (Qualifikation) im Ausland, mindestens drei Jahre Berufserfahrung, Deutschkenntnisse oder ein früherer Aufenthalt in Deutschland, und dass er jünger als 35 Jahre ist.

„Wir brauchen Einwanderung“, sagte Hail. „Von Jahr zu Jahr würden wir entsprechend dem Bedarf ein Kontingent festlegen, wie viele Menschen die Chancenkarte erhalten können, damit sie eine bestimmte Zeit lang Arbeit oder ein Praktikum suchen. Während dieses Zeitraums müssen sie finanziell selbst für sich sorgen.“

Die Chancenkarte soll auch die Einreise nach Deutschland selbst erleichtern, sogar ohne Arbeitsplatz – damit dieser Arbeitsplatz gesucht werden kann.

Obwohl die Sache in der Regierung von Kanzler Olaf Scholz noch nicht vereinbart ist, besteht kein Zweifel daran, dass es diesen Herbst so weit sein wird. Denn alle drei Koalitionspartner – Sozialdemokraten, Grüne und Liberale – setzen sich für eine Erleichterung der Einwanderung ein.

Blick auf den Balkan

Das relativ neue deutsche Einwanderungsgesetz ermöglicht allen die Arbeit, die einen Arbeitgeber finden – unter der Voraussetzung, dass sie für etwas qualifiziert sind. Sie können Buchhalter oder Fahrer sein, wichtig ist, irgendein Papier zu haben.

Eine Ausnahme ist die sogenannte „Westbalkan-Regelung“, die auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise beschlossen wurde, als sich Migranten aus Syrien und dem Fernen Osten massenhaft Asylsuchende aus Serbien, Mazedonien oder dem Kosovo anschlossen.

Damals wurde vereinbart, dass jährlich 25.000 Menschen aus den Ländern des Westbalkans Arbeitserlaubnisse in Deutschland erhalten können, selbst wenn es sich um ungelernte Arbeitskräfte handelt.

Doch in diesem Sommer stellte sich heraus, dass auch das nicht ausreicht. „In den Ländern des Westbalkans gibt es viele Arbeitskräfte, die in Hotels und Restaurants in Deutschland arbeiten würden“, klagte Guido Celik, Chef des Verbands der Gastronomen und Hoteliers Dehoga.

Dieser Branche fehlten nach der schnellen Erholung nach der Lockdown-Ära plötzlich viele Arbeitskräfte. Ähnlich geschah es mit Flughäfen und Fluggesellschaften, die während des Lockdowns Leute entlassen hatten. Deshalb war dieser Sommer in Deutschland chaotisch für viele, die in den Urlaub fliegen wollten.

Allerdings ist die Frage, wie viele Menschen auf dem ausgetrockneten Westbalkan noch bereit sind auszuwandern. Das hat man in diesem Jahr im kroatischen Tourismus deutlich gespürt, wo Kellner und Zimmermädchen statt aus Serbien und Bosnien und Herzegowina immer häufiger aus Nepal und den Philippinen kommen.

Mit Einwanderung gegen die Kataklysmus

„Noch nie zuvor gab es in Deutschland so viele unbesetzte Arbeitsplätze wie heute“, schrieb kürzlich das Magazin Spiegel in seiner Titelgeschichte. „Personalmangel lähmt Flughäfen, Restaurants oder Schwimmbäder – und ist doch nur eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was dem Land droht.“

Die Statistik zeigt, dass 1,74 Millionen Arbeitsplätze frei sind, obwohl es tatsächlich wahrscheinlich viel mehr sind.

So bleibt eine Stelle in der Altenpflege im Durchschnitt 239 Tage unbesetzt – das heißt, Arbeitgeber können fast acht Monate lang keinen Pfleger finden. Kaum besser ist es bei Klempnern, Heizungsbauern und Klimaanlagenmonteuren, wo man 224 Tage auf einen neuen Beschäftigten wartet. Im Hochbau wird im Durchschnitt 221 Tage lang ein Arbeiter gesucht, und bei Krankenschwestern, Hebammen und Sanitätern liegt der Durchschnitt bei 188 Tagen.

All das kann zu einem Horrorszenario für die deutsche Wirtschaft führen, in dem bis 2060 auf einen Rentner nur noch 1,7 Arbeitnehmer kämen. Schon heute ist dieses Verhältnis nicht großartig (2,7), was zu relativ niedrigen Renten führt.

Um das zu vermeiden, rechnen Experten damit, dass Deutschland jedes Jahr 400.000 Zuwanderer braucht.

Deshalb ist, so heißt es aus der Regierungskoalition, ein Paradigmenwechsel nötig – also dass Deutschland sich endlich selbst zum „Einwanderungsland“ wie Kanada erklärt. Dagegen hat sich die Christlich-Demokratische Union jahrzehntelang gesträubt, auch während der vier Kanzlerschaften Angela Merkels.

Wie groß dieser Wandel ist, illustriert einer der Vorschläge der Liberalen gut: Sie fordern, in deutschen Institutionen, die mit Bürgern arbeiten, Englisch als zweite Sprache einzuführen. So könnte es passieren, dass, während Gastarbeiter Deutsch lernen, deutsche Beamte Englisch lernen.

Quelle: dw.com