Frührente in Deutschland: So gehen Sie vor, wenn Sie nicht länger warten können
15.02.2023

Den vorzeitigen Ruhestand sollte man gut planen und präzise berechnen. Wie tag24 schreibt, haben Sie für den Eintritt in den vorzeitigen Ruhestand vier Optionen.
Aber viele wollen nicht warten und möchten früher in Rente gehen. Laut Umfragen wollen 20 Prozent der Deutschen nicht einmal bis zu ihrem 60. Lebensjahr arbeiten.
Doch ist das überhaupt möglich und wie hoch sind die Rentenabschläge?
Hier sind vier Möglichkeiten, wie Sie früher als im regulären Rentenalter in Rente gehen können.
Ruhestand mit 63 Jahren
Der frühestmögliche Zeitpunkt für den vorzeitigen Bezug der Altersrente ohne jegliche Abschläge ist das vollendete 63. Lebensjahr. Aber es gibt vier „Haken“.
Erstens steigt die sogenannte Altersrente für besonders langjährig Versicherte schrittweise an – bis zum 65. Lebensjahr für diejenigen, die 1964 geboren wurden.
Einfach gesagt: Nur diejenigen, die vor 1953 geboren wurden, können tatsächlich mit genau 63 Jahren ohne jegliche Abschläge die Rente genießen. Alle anderen müssen noch einige Monate warten.
Der zweite Haken: Sie müssen mindestens 45 Jahre lang Rentenbeiträge eingezahlt haben.
Tipp: Dazu zählen auch Zeiten der Kindererziehung, des Wehr- und Zivildienstes oder eines freiwilligen sozialen Jahres, Arbeitslosigkeit, Minijob und Zeiten, in denen Sie kranke Familienmitglieder gepflegt haben.
Aber auch diejenigen, die keine 45 Beitragsjahre eingezahlt haben, aber mindestens 35 Jahre nachweisen können, können mit 63 Jahren Rentner werden – dann müssen sie jedoch Abschläge in Kauf nehmen. Für jeden Monat, den Sie früher in Rente gehen möchten, müssen Sie auf 0,3 Prozent der Rente verzichten. Auf das Jahr umgerechnet ist das ein Abschlag von 3,6 Prozent.
“Weil die Abschläge nicht von der Rente abgezogen werden, die im Rentenbescheid steht”, warnt Rentenexperte Jan Scharpenberg (37) vom Geldratgeber Finanztip.de. Dort bezieht sich die Zahl auf den Rentenbetrag, der in der regulären Altersrente erreicht würde. Stattdessen wird der Rentenbetrag abgezogen, der zum Zeitpunkt des vorzeitigen Ruhestands erreicht wurde – oft deutlich weniger!
Wenn Sie drei bis vier Jahre weniger arbeiten, zahlen Sie natürlich auch weniger in die Rentenversicherung ein. Das mindert die Rente. Experte Scharpenberg sagt: “Da die letzten Arbeitsjahre oft zu den bestbezahlten gehören, kann das schnell einen Unterschied von mehr als hundert Euro im Monat ausmachen.”
Und noch etwas: Die hochgerechneten maximalen Abschläge von 14,4 Prozent gelten für die gesamte Dauer des Rentenbezugs – also bis zum Tod. Ein früherer Renteneintritt sollte daher gut überlegt und sorgfältig berechnet werden.
Erste Option: Sparen!
“Wer früh mit der privaten Altersvorsorge beginnt, hat sehr gute Chancen, mit langfristigen Investitionen genügend Vermögen für die Rente aufzubauen”, sagt Scharpenberg.
“Wir empfehlen langfristige Investitionen in ein Portfolio aus ETF-ovima – sogenannten Indexfonds – mithilfe eines Sparplans.” Mit langfristig meint er 15 Jahre und mehr!
Warum? “Im Gegensatz zu Investitionen in einzelne Aktien ist das Risiko bei ETF-ovovima viel breiter gestreut.” Außerdem bietet langfristiges Investieren bei guten Renditen weiterhin die beste Sicherheit.
Tipp: “Am besten vergessen Sie Ihr Depot bis kurz vor dem Renteneintritt, damit Sie nicht in Versuchung geraten, das Geld für etwas anderes als einen komfortablen Ruhestand zu verwenden.”
Achtung: Prüfen Sie vorher die Rendite der ETF-ova!
Rechenbeispiel: Wenn Sie mit einer Bruttorente von 1.000 Euro völlig ohne Abschläge zwei Jahre vor dem für Sie geltenden regulären Rentenalter in Rente gehen möchten, müssen Sie derzeit etwa 15.600 Euro einzahlen. Tipp des Experten: “Prüfen Sie im Voraus, ob andere Anlageformen wie ETF-ovi – also ein sehr breit diversifizierter Aktienfonds – nicht höhere Renditen versprechen.”
Allerdings kann nicht jeder Rentenpunkte kaufen. Freiwillige Sonderzahlungen sind erst ab dem 50. Lebensjahr möglich.
Zweite Option: eine Sonderzahlung leisten
Gute Nachrichten: Rentenabschläge können ausgeglichen werden – durch freiwillige Sonderzahlungen in den Rentenfonds.
„Sie kaufen praktisch Rentenpunkte und zahlen die Rentenbeiträge im Voraus, die wegen des vorzeitigen Ruhestands fehlen“, erklärt Rentenexperte Jan Scharpenberg.
Wenn Sie in den vorzeitigen Ruhestand gehen möchten, müssen Sie auf der Website der deutschen Rentenversicherung (DRV) einen „Antrag auf besondere Rentenauskunft” stellen.
Dann wird angegeben, wie hoch die Ausgleichszahlung sein wird. Danach können Sie entscheiden, ob Sie diese vollständig oder teilweise ausgleichen möchten.
Dritte Option: Teilrente
Mit 55 Jahren können Sie in die Altersteilzeit gehen. Die Zeit als Frührentner kaufen Sie durch eine Gehaltsreduzierung.
Die Altersteilzeit ist eine freiwillige Leistung des Unternehmens, die den Beschäftigten einen früheren Renteneintritt ermöglicht. Wie funktioniert das genau?
Im Blockmodell arbeitet der Beschäftigte in der ersten Phase weiterhin in Vollzeit, erhält aber ein reduziertes Gehalt. Der Rest wird für die zweite Phase zurückgelegt – für die Freistellungsphase.
Je nach Tarifvertrag sehen diese Blöcke einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren vor. Tipp: Fragen Sie einfach Ihren Arbeitgeber.
Vierte Option: Immobilienrente mit lebenslangem Wohnrecht
Beim Teilverkauf einer Immobilie verkaufen Sie nur Ihre Wohnung oder Ihr Haus zu einem festen Prozentsatz.
So wird Kapital für den vorzeitigen Ruhestand gewonnen, ohne auszuziehen.
Der Experte ist jedoch skeptisch: “Generell würde ich von dieser Option abraten.” Das Modell klingt verlockender, als es ist.
“Zum Beispiel gibt es Grundsteuer- oder Instandhaltungskosten, die Sie selbst tragen müssen, obwohl es einen Miteigentümer gibt. Es gibt auch Nachschussklauseln, die sehr teuer sein können.”
Und was sagt Experte Jan Scharpenberg über seinen eigenen vorzeitigen Ruhestand und welche Pläne hat er?
“Das ist in meinem Alter wirklich unmöglich zu sagen. Aber ich versuche, Vorsorge zu treffen, damit mir diese Option immer offensteht. Rententräume sind schön, aber wenn Sie realistische Chancen haben wollen, sie zu verwirklichen, müssen Sie gut fürs Alter vorsorgen. Es sei denn, Sie verbessern Ihre finanzielle Lage vielleicht durch einen Lottogewinn.”
Quelle: fenix-magazin.de











