Plus
Anzeige schalten

Schon 5 Beitragsjahre reichen für eine deutsche Rente: Betrag liegt nur bei rund 200 €

04.05.2026

Schon 5 Beitragsjahre reichen für eine deutsche Rente: Betrag liegt nur bei rund 200 €

Die deutsche Rente gilt unter Arbeitnehmern aus Kroatien seit Jahren als Synonym für finanzielle Sicherheit im Alter.

Dennoch zeigen präzise Berechnungen, dass das deutsche System auf sehr exakten Regeln beruht, die unrealistische Erwartungen oft widerlegen. Obwohl die Schwelle für den Anspruch auf eine Altersrente relativ niedrig angesetzt ist, hängen die endgültigen Beträge stark von den Versicherungsjahren und den eingezahlten Beiträgen ab.

Mindestversicherungszeit als Eintrittskarte ins System

Die grundlegende Voraussetzung für den Anspruch auf eine deutsche Altersrente ist eine Mindestversicherungszeit von 5 Jahren beziehungsweise 60 Monaten. Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern ist diese Schwelle deutlich niedriger. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Erfüllung dieser Voraussetzung nicht automatisch den Eintritt in den Ruhestand bedeutet. Neben den Versicherungsjahren muss der Versicherte auch die vorgeschriebene Altersgrenze erfüllen, die durch das deutsche Gesetz festgelegt ist.

Das System der Rentenpunkte und ihr Wert

Der Wert der deutschen Rente wird nicht pauschal berechnet, sondern basiert auf den gesammelten Rentenpunkten. Ein Arbeitnehmer, der im Laufe eines Kalenderjahres das durchschnittliche deutsche Bruttogehalt erzielt, erwirbt einen Rentenpunkt. Laut den offiziellen Informationen der Deutsche Rentenversicherung beträgt der aktuelle Wert dieses Punktes 40,79 Euro monatlich.

Nehmen wir als Beispiel einen Arbeitnehmer, der fünf Jahre lang ein durchschnittliches Gehalt erzielt und dadurch fünf Rentenpunkte gesammelt hat. Mit einer einfachen Rechnung ergibt sich ein Betrag von 203,95 Euro brutto monatlicher Rente. Diese Angabe veranschaulicht deutlich, dass ein kurzer Beschäftigungszeitraum bei durchschnittlichem Einkommen zu einem Betrag führt, der keineswegs für ein eigenständiges Leben ausreicht, sondern lediglich eine Ergänzung zum Gesamteinkommen im Alter darstellt.

Angekündigte Rentenerhöhung ab Juli 2026

Laut der angekündigten Anpassung, die auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlicht wurde, wird der Rentenwert in Deutschland regelmäßig angepasst.

Ab dem 1. Juli 2026 ist eine Erhöhung des Wertes eines Rentenpunktes auf 42,52 Euro vorgesehen, was einer Steigerung von 4,24 % entspricht. Mit anderen Worten: Ab diesem Datum steigen nicht nur künftige Renten, sondern auch die gesetzlichen Renten, die bereits ausgezahlt werden. Der Grund ist einfach: Die deutsche Rente wird nach der Anzahl der erworbenen Rentenpunkte berechnet, und durch die Anpassung steigt der Wert jedes einzelnen Punktes.

Rentner erhalten dabei keine neuen Punkte, sondern ihre bestehenden Punkte sind mehr wert. Deshalb wird eine Person mit fünf Rentenpunkten statt 203,95 Euro brutto monatlich 212,60 Euro brutto monatlich erhalten. Bei Personen mit längerer Versicherungszeit und einer höheren Punktzahl wird der Anstieg in Euro größer ausfallen, obwohl der prozentuale Anstieg gleich ist. Dennoch bleibt der nominale Unterschied für Arbeitnehmer mit kurzer Versicherungszeit gering.

Der Unterschied zwischen Arbeit in Deutschland und deutscher Versicherung

Für Arbeitnehmer aus Kroatien ist der entscheidende Unterschied, wo die Beiträge eingezahlt wurden. Ein häufiger Irrtum ist, dass allein die physische Arbeit auf deutschem Boden automatisch eine deutsche Rente garantiert. Wenn ein Arbeitnehmer direkt bei einem deutschen Arbeitgeber beschäftigt ist, werden die Beiträge in den dortigen Fonds beziehungsweise in das deutsche Rentensystem eingezahlt und es werden deutsche Rentenpunkte gesammelt.

Andererseits bleiben Arbeitnehmer, die von kroatischen Arbeitgebern mit der Bescheinigung A1 zur Arbeit nach Deutschland entsandt wurden, im kroatischen System versichert. In diesem Fall werden die Versicherungszeiten und Beiträge in Kroatien erfasst, unabhängig davon, dass die Arbeit auf deutschen Baustellen oder in Industriezweigen verrichtet wurde. Bei der Geltendmachung des Rentenanspruchs wird jeder Staat den Teil der Rente auszahlen, für den in seinem System Beiträge eingezahlt wurden.

Flexibilität der Arbeit im Ruhestand

Die Modernisierung des deutschen Systems hat auch erhebliche Änderungen im Hinblick auf den Hinzuverdienst gebracht. Seit 2023 wurden die Beschränkungen für Bezieher von Altersrenten aufgehoben, was bedeutet, dass Rentner arbeiten und verdienen können, ohne dass ihre Rentenbezüge gekürzt werden. Bestimmte Beschränkungen bestehen weiterhin bei Erwerbsminderungsrenten, doch auch diese wurden angepasst, um den Nutzern des Systems eine größere finanzielle Durchlässigkeit zu ermöglichen.

Obwohl das deutsche System klare Regeln und Sicherheit bietet, bringen fünf Versicherungsjahre in den meisten Fällen nur einen symbolischen Rentenbetrag. Entscheidend ist, dass Arbeitnehmer ihren Versicherungsstatus rechtzeitig überprüfen und sich darüber informieren, in welches System ihre Beiträge eingezahlt werden. Die langfristige finanzielle Stabilität im Ruhestand hängt nicht vom Arbeitsort ab, sondern von der Kontinuität und der Höhe der Einzahlungen in das Rentensystem, wobei der deutsche Teil nur eine der Komponenten in der Gesamtsumme der künftigen Einkünfte ist.