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Mehr als die Hälfte der Rentner in Bosnien und Herzegowina lebt von 300 Euro: Gleicher Betrag für 15 und 40 Beitragsjahre

26.07.2025

Mehr als die Hälfte der Rentner in Bosnien und Herzegowina lebt von 300 Euro: Gleicher Betrag für 15 und 40 Beitragsjahre

Das Rentensystem der Föderation Bosnien und Herzegowina steht vor einer schweren Krise, da die Mehrheit der Rentner mit einer Mindestrente überlebt, während die Zahl der Arbeitnehmer, die regelmäßig Beiträge zahlen, ständig sinkt.

Laut offiziellen Angaben erhalten sogar 62 Prozent der Rentner die niedrigste Rente, die im Jahr 2025 etwa 599 konvertible Mark oder ungefähr 306 Euro beträgt, ein Betrag, mit dem es unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen nahezu unmöglich ist, die grundlegenden Lebensbedürfnisse zu decken, schreibt Moje Vrijeme.

Die Überlastung des Systems zeigt sich deutlich im Verhältnis von nur 1,2 Arbeitnehmern pro Rentner, während die Nachhaltigkeit erst bei einer doppelt so hohen Zahl von Arbeitnehmern pro Leistungsempfänger gewährleistet ist. Diese Situation bedroht die Stabilität des gesamten Rentenfonds, der derzeit Renten für mehr als 458 Tausend Bürger der Föderation BiH auszahlt, und die Ausgaben dafür machen bereits fast die Hälfte des föderalen Haushalts aus.

Besonders problematisch ist, dass Bürger mit 15 Jahren Berufserfahrung und jene mit sogar 40 Jahren Berufserfahrung denselben Betrag der Mindestrente erhalten, was unter langjährigen Beitragszahlern berechtigte Empörung auslöst. Immer mehr Stimmen aus der Fachwelt und der Rentneröffentlichkeit fordern die Einführung einer differenzierten Mindestrente nach Beitragsjahren, ein Modell, das zum Beispiel bereits in der benachbarten Republika Srpska funktioniert. Dort sind die Mindestrenten klar nach der Dauer der Berufstätigkeit definiert und betragen beispielsweise bei 40 Beitragsjahren deutlich mehr als bei der gesetzlichen Mindestvoraussetzung.

Die Regierung der Föderation BiH ist sich der Dringlichkeit von Reformen bewusst und hat daher eine neue Formel zur Anpassung der Renten vorgeschlagen, die eine Kombination aus Lohn- und Preissteigerungen im Verhältnis 60:40 einführen würde, um unrealistische außerordentliche Korrekturen unter politischem Druck zu verhindern. Außerdem wird auch die Möglichkeit einer freiwilligen Versicherung als Maßnahme angekündigt, die die Situation für diejenigen erleichtern würde, denen es nicht gelungen ist, die volle Beitragszeit zu erreichen und die keine ausreichende soziale Sicherheit erlangt haben.

Da das Bruttoinlandsprodukt derzeit ein unzureichend repräsentativer Indikator für die tatsächliche Kaufkraft und den Lebensstandard älterer Bürger ist, fordern Rentnerverbände eine Neudefinition der Haushaltsprioritäten sowie gesetzliche Änderungen, die eine automatische Anpassung der Renten an das Lohnwachstum im öffentlichen Sektor ermöglichen würden. Die Opposition wiederum wirft der Regierung Vernachlässigung der ältesten Bürger vor und erinnert daran, dass die Schulden gegenüber dem MIO-Fonds weiterhin enorm sind, mehr als 160 Millionen Euro betragen, und warnt, dass ohne eine dringende Lösungsfindung das gesamte Rentensystem sehr bald an den Rand des Zusammenbruchs geraten könnte.

Interessant ist festzustellen, dass die Mindestrente in BiH heute zwar höher ist als noch vor einigen Jahren, der reale Wert dieser Bezüge jedoch aufgrund der hohen Inflation gesunken ist und die Erhöhungen nur nominell sind. In Kroatien ist die durchschnittliche Rente beispielsweise mehr als doppelt so hoch, und das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Rentnern ist noch immer etwas günstiger. Doch auch in Kroatien wird die Schlüsselfrage der Gerechtigkeit bei der Berechnung der Beitragsjahre und der Nachhaltigkeit des Systems immer häufiger in öffentlichen Debatten hervorgehoben, was zeigt, dass das Problem der Nachhaltigkeit der Rentensysteme die gesamte Region gemeinsam betrifft.

Angesichts der aktuellen demografischen Kennzahlen und des Rückgangs der Zahl der Beschäftigten könnte sich die Föderation BiH ohne entschlossene strukturelle Veränderungen bald in einer Lage befinden, in der jede Rentnergeneration ein immer niedrigeres Schutzniveau erwarten kann. Diese Situation erfordert schnelles und durchdachtes politisches Handeln sowie die Aufnahme eines Dialogs zwischen der Regierung und den Vertretern der Rentner, zum Wohl der gegenwärtigen und künftigen Generationen.