Mehr Zuzüge als Wegzüge, doch Ausländer bremsen den stärkeren Bevölkerungsrückgang in Kroatien
06.07.2026

Kroatien verzeichnet in den letzten Jahren eine wichtige statistische Wende.
In das Land ziehen mehr Menschen zu, als es verlassen, was nach einer langen Phase negativer Migrationsbewegungen eine bedeutende Veränderung ist. Quelle der Daten ist das Staatliche Statistikamt, nach dessen Angaben im Jahr 2025 56.665 Personen aus dem Ausland nach Kroatien zugezogen sind, während 37.485 Personen ins Ausland weggezogen sind.
Das bedeutet, dass Kroatien im vergangenen Jahr einen positiven Wanderungssaldo von 19.180 Personen hatte. Mit anderen Worten: Die Differenz zwischen Zugezogenen und Weggezogenen lag erneut im Plus.
Die Wende begann im Jahr 2022
Kroatien hatte von 2009 bis 2021 durchgehend einen negativen Wanderungssaldo. Mehr Menschen zogen aus dem Land weg, als in das Land zuzogen, und dieser Trend prägte besonders die Zeit nach dem Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union.
Im Jahr 2021 war der Saldo noch negativ. Damals zogen 35.912 Personen aus dem Ausland zu, und 40.424 Personen zogen ins Ausland weg. Kroatien lag auf dieser Grundlage mit 4.512 Personen im Minus.
Die Veränderung trat im Jahr 2022 ein, als nach einer langen Reihe von Jahren ein positiver Wanderungssaldo von 11.685 Personen verzeichnet wurde. Der Trend setzte sich danach fort und verstärkte sich. Im Jahr 2023 betrug der Wanderungssaldo 30.178 Personen, und im Jahr 2024 31.394 Personen.
Im vergangenen Jahr ein kleineres Plus als 2024, aber der Trend bleibt positiv
Obwohl Kroatien im Jahr 2025 im Migrationsplus blieb, war dieses Plus kleiner als im Jahr zuvor. Im Jahr 2024 zogen 70.391 Personen nach Kroatien zu, und 38.997 zogen weg. Im Jahr 2025 sank die Zahl der Zugezogenen auf 56.665, während die Zahl der Weggezogenen auf 37.485 zurückging.
Das bedeutet, dass die Zahl der Zugezogenen im Vergleich zu 2024 um 13.726 Personen beziehungsweise um etwa 19,5 % gesunken ist. Die Zahl der Weggezogenen verringerte sich gleichzeitig um 1.512 Personen beziehungsweise um etwa 3,9 %.
Trotzdem hatte Kroatien das vierte Jahr in Folge mehr Zugezogene als Weggezogene. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass sich das Migrationsbild des Landes verändert hat, auch wenn sich aus den bloßen Zahlen nicht schließen lässt, dass es sich nur um die Rückkehr kroatischer Staatsangehöriger handelt.
Ausländische Arbeitskräfte haben das statistische Bild verändert
Einer der wichtigen Gründe für die Wende ist die Veränderung auf dem Arbeitsmarkt und der starke Anstieg der Ankünfte ausländischer Arbeitskräfte. Kroatien stützt sich in den letzten Jahren immer stärker auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten, insbesondere im Bauwesen, im Tourismus, im Gastgewerbe, im Verkehr, in der Industrie und in Dienstleistungstätigkeiten.
Dabei ist es wichtig, präzise zu sein. Das Quotensystem für die Beschäftigung von Ausländern wurde nicht Anfang 2020 abgeschafft, sondern das neue Modell trat am 1. Januar 2021 in Kraft. Danach beruhte die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte nicht mehr auf jährlichen Quoten, sondern auf einem neuen Verfahren zur Erteilung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen.
Das eröffnete Raum für ein schnelleres Wachstum der Zahl der Arbeitskräfte aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. In den Migrationsdaten zeigt sich deshalb immer stärker der Effekt der Ankunft von Menschen, die wegen der Arbeit nach Kroatien kommen, und nicht nur wegen eines klassischen Familienumzugs oder der Rückkehr aus der Emigration.
Migrationen bedeuten nicht dasselbe wie die gesamte Demografie
Ein positiver Wanderungssaldo bedeutet nicht automatisch, dass das demografische Bild Kroatiens gut ist. Migrationen sind nur ein Teil der Bevölkerungsbewegung. Der andere, sehr wichtige Teil ist die natürliche Bevölkerungsbewegung, also die Differenz zwischen der Zahl der Geborenen und der Zahl der Gestorbenen.
Nach Angaben des DZS wurden in Kroatien im Jahr 2025 32.479 Kinder lebend geboren, während 50.007 Personen starben. Der natürliche Bevölkerungszuwachs war negativ und betrug 17.528 Personen.
Das bedeutet, dass Kroatien auf natürlichem Weg 17.528 Einwohner verloren hat. Der positive Wanderungssaldo von 19.180 Personen glich diesen Verlust aus, allerdings nur geringfügig über dem Niveau des natürlichen Rückgangs.
Die Rechnung ist klar: Ohne Zuzug wäre das Bild deutlich schlechter
Wenn man Migrationen und natürliche Bevölkerungsbewegung vergleicht, zeigt sich, wie wichtig die Zuwanderung für das gesamte demografische Bild Kroatiens geworden ist. Im vergangenen Jahr betrug das Migrationsplus 19.180 Personen, und der natürliche Rückgang 17.528 Personen.
Nach dieser Grundrechnung reichten die Migrationen aus, um die negative natürliche Bevölkerungsbewegung auszugleichen. Die Differenz zwischen diesen beiden Indikatoren beträgt 1.652 Personen im Plus. Dennoch sollte man das nicht zu weit auslegen, denn die offiziellen Schätzungen der Gesamtbevölkerung umfassen auch andere statistische Verarbeitungen, methodologische Abstimmungen und administrative Quellen.
Was klar zu sehen ist: Ohne Zuzug hat Kroatien weiterhin ein ernstes demografisches Problem. Die Zahl der Gestorbenen ist nach wie vor deutlich höher als die Zahl der Geborenen.
Etwas mehr Geborene, weniger Gestorbene, aber das Minus bleibt groß
Im Vergleich zum Jahr 2024 war die natürliche Bevölkerungsbewegung im Jahr 2025 etwas günstiger. Die Zahl der Lebendgeborenen stieg von 32.069 auf 32.479, was einem Anstieg um 410 Kinder beziehungsweise um etwa 1,3 % entspricht.
Die Zahl der Gestorbenen sank von 51.080 auf 50.007, das sind 1.073 Gestorbene weniger beziehungsweise ein Rückgang von etwa 2,1 %. Deshalb verringerte sich auch der natürliche Rückgang von 19.011 Personen im Jahr 2024 auf 17.528 Personen im Jahr 2025.
Dennoch handelt es sich weiterhin um eine große negative natürliche Bevölkerungsbewegung. Kroatien hat nach wie vor deutlich mehr Gestorbene als Geborene, sodass das demografische Problem nicht allein durch einen besseren Wanderungssaldo gelöst werden kann.
Die Menschen gehen weiterhin weg, aber es kommen mehr an
Es ist wichtig zu betonen, dass ein positiver Wanderungssaldo nicht bedeutet, dass die Auswanderung aufgehört hat. Im Jahr 2025 verließen 37.485 Personen Kroatien. Das ist etwas weniger als im Jahr zuvor, zeigt aber weiterhin, dass eine beträchtliche Zahl von Menschen ins Ausland zieht.
Der Unterschied besteht darin, dass die Zahl der Zugezogenen in den letzten Jahren höher ist als die Zahl der Weggezogenen. In der früheren Zeit war das Problem doppelt. Kroatien hatte gleichzeitig einen negativen natürlichen Bevölkerungszuwachs und einen negativen Wanderungssaldo. Jetzt hat sich der migrationsbezogene Teil der Statistik umgekehrt, aber die natürliche Bevölkerungsbewegung bleibt tief negativ.
Was hat sich tatsächlich verändert?
Kroatien ist in eine neue demografische Phase eingetreten. Das Land ist nicht mehr nur ein Raum, aus dem die Bevölkerung auswandert, sondern wird zunehmend auch zu einem Land, in das man zum Arbeiten kommt. Das zeigt sich am deutlichsten auf dem Arbeitsmarkt, wo ausländische Arbeitskräfte bereits eine wichtige Rolle in Sektoren spielen, die seit Jahren mit einem Mangel an inländischen Arbeitskräften konfrontiert sind.
Doch diese Wende sollte man nicht beschönigen. Migrationen verbessern das Gesamtbild, lösen aber nicht das grundlegende Problem der niedrigen Geburtenzahl und der Alterung der Bevölkerung. Kroatien hält sich heute statistisch vor allem dank der Zuwanderung über Wasser, während die natürliche Bevölkerungsbewegung weiterhin zeigt, wie sehr die demografische Basis geschwächt ist.
Deshalb lautet die treffendste Schlussfolgerung, dass Kroatien nicht mehr im selben Migrationsminus steckt wie vor etwa zehn Jahren, die demografische Herausforderung aber nicht verschwunden ist. Nur ihre Form hat sich verändert.











