Welches ist das neue gelobte Land zum Leben und Arbeiten – und gibt es es überhaupt?
15.04.2025

Jahrelang haben wir immer dieselbe Frage gehört: 'Wann gehst du ins Ausland?'. Heute hört man immer öfter die andere: 'Lohnt sich das Weggehen überhaupt noch?'.
Tausende Menschen vom Balkan sind auf der Suche nach einem besseren Leben weggegangen. Länder wie Deutschland, Irland, Österreich, die Schweiz haben vielen einen besseren Lohn, ein geordnetes System und ein Gefühl von Ordnung gebracht. Für die einen ist das der Begriff eines neuen Zuhauses. Für andere ist es nur eine vorübergehende Station. Sie sind bereit, einige Jahre durchzuhalten, bis sie eine solide Summe gespart und sich eine ruhigere Zukunft gesichert haben.
Wenn wir über das Weggehen in den Westen sprechen, gibt es überhaupt noch ein gelobtes Land?
Versprechen und Realität
In Deutschland zum Beispiel liegt der Durchschnittslohn bei etwa 2.500 bis 3.000 Euro netto. Das wirkt verlockend, bis du 1.200 Euro Miete zahlst, 600 für die Kinderbetreuung, das Auto, die Versicherung, und dann noch bestraft wirst, weil du das Recycling nicht in die richtige Tonne geworfen hast.
Für einige Berufe, wie Elektriker, Installateure oder medizinisches Personal, ist oft von Anfang an auch eine Unterkunft gesichert, was den Start zusätzlich erleichtert und konkrete Ersparnisse ermöglicht. Mit guter Organisation schaffen es viele, sich in wenigen Jahren zu Hause eine Wohnung zu kaufen, ein Haus zu bauen oder einfach ohne ständige Sorge darüber zu leben, 'was wäre wenn'.
In Irland oder der Schweiz sind die Löhne im Vergleich zu Deutschland noch höher, aber gleichzeitig auch die Lebenshaltungskosten. Die Miete für eine Wohnung in Dublin kann 2.000 Euro im Monat betragen, und Brot sogar fünf.
Auf dem Balkan sind die Löhne im Durchschnitt niedriger. Doch es ist nicht dasselbe, 900 Euro in Zagreb oder Belgrad auszugeben wie in München. Bei uns kennst du immer noch jemanden, der dir mit den Kindern hilft, ein Haus baut oder dich zum Mittagessen einlädt, ohne dir eine Rechnung zu stellen.
Was ist 'besser'?
Für den einen ist es ein regelmäßiger Lohn, ruhiger Schlaf und die Möglichkeit, dass die Kinder alles haben. Für den anderen ein Nachbar, der deinen Namen kennt, stundenlanges Kaffeetrinken oder einfach das Gefühl, 'unter den eigenen Leuten' zu sein.
'Besser' ist nicht mehr nur eine Rechnung, es ist ein Gefühl.
Das neue gelobte Land? Vielleicht gibt es nicht nur eines. Vielleicht hat es jeder für sich. Vielleicht ist es eine Frage des persönlichen Gefühls.
Das Ausland bietet Chancen wie einen stabilen Job, regelmäßiges Einkommen, die Möglichkeit, sich etwas Konkretes aufzubauen. Vielen hat das Weggehen ermöglicht, den Kopf zu heben, den Kindern eine bessere Zukunft zu sichern und der Familie zu helfen.
'Zu Hause' gibt es dagegen nicht die Sicherheit wie im Westen, aber es gibt Gefühle, die man nicht kaufen kann.
Und dann gibt es noch die dritte Option, die immer häufiger wird. Arbeiten im Ausland - leben zu Hause. Die Menschen bleiben hier gemeldet, die Kinder gehen in Kroatien, Bosnien, Serbien... zur Schule, und die Eltern arbeiten in Deutschland, Österreich, der Schweiz. Manchmal Woche für Woche, manchmal saisonal. Und so balancieren sie zwischen zwei Ländern, zwei Welten und einem Traum: das Beste aus beiden zu verbinden.
Arbeit im Ausland: Vor- und Nachteile der gefragtesten Länder
1) Deutschland
Vorteile:
- Sichere und regelmäßige Löhne (Durchschnitt 2.500–3.000 € netto)
- Klares System (du kennst deine Rechte, aber auch Pflichten)
- Kindergeld – etwa 250 € pro Kind monatlich
- Gutes Gesundheits- und Bildungssystem
- Es gibt Arbeit (besonders für Krankenschwestern, Elektriker, Fahrer...)
- Möglichkeit eines Daueraufenthalts nach 5 Jahren
Nachteile:
- Hohe Wohnkosten, besonders in größeren Städten
- Pausen werden oft nicht bezahlt
- Integration kann schwierig sein (Sprache, Bürokratie, das Gefühl, 'immer ein Fremder' zu sein)
- Leben unter Druck (Tempo, Regeln, Strafen, Mangel an Spontaneität)
- Kinder 'verlieren' schnell Sprache und Kultur
2) Österreich
Vorteile:
- Nähe zum Balkan
- Kulturell ein etwas 'weicherer' Übergang als in Deutschland
- Solide Löhne und starke Nachfrage nach Arbeitskräften
- Stabiles System, starke Nachfrage nach Arbeitskräften im Gesundheitswesen, Bau und Dienstleistungssektor
- Auszahlung des 13. und 14. Gehalts
- Kindergeld (lohnend, regelmäßig)
Nachteile:
- Wohnungen werden immer teurer (besonders Wien)
- Pausen werden oft nicht bezahlt, besonders im privaten Sektor
- Steigende Lebenshaltungskosten
- Weniger Aufstiegsmöglichkeiten, wenn du die Sprache nicht perfekt beherrschst
- Ein gewisses Maß an Verschlossenheit
3) Schweiz
Vorteile:
- Hohe Löhne (3.500 € und mehr für einfache Jobs)
- Eines der sichersten und bestgeordneten Länder der Welt
- Große Diaspora (starke Gemeinschaft, besonders im Bauwesen und Gesundheitswesen)
- Hohes Niveau der Gesundheitsversorgung und Infrastruktur
- Pausen sind oft bezahlt, und das ist gesetzlich klar geregelt
Nachteile:
- Preise für Produkte, Dienstleistungen und Unterkunft
- Es ist schwer, einen Daueraufenthalt oder die Staatsbürgerschaft zu bekommen
- Sehr geschlossene Gesellschaft (schwer, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen)
- Gesundheitsversorgung wird zusätzlich bezahlt und ist nicht günstig
- Viele Regeln, Strenge im Alltag
4) Irland
Vorteile:
- Hohe Löhne im IT-Sektor und in Startups
- Amtssprache ist Englisch (einfachere Kommunikation und Schulbildung)
- Junge Menschen mögen die irische Lebensweise (entspannter, offener)
- Viele Menschen vom Balkan sind bereits dort (Gemeinschaft)
- Pausen werden oft bezahlt (gesetzliches Minimum 15 Minuten nach 4 Stunden Arbeit)
Nachteile:
- Die Miete in Dublin gehört zu den teuersten in Europa
- Schlechtes Gesundheitssystem (lange Wartezeiten auf Untersuchungen)
- Depressives Klima (Regen, Wind, grauer Himmel)
5) Slowenien
Vorteile:
- Ähnliche Sprache, Nähe zur Heimat, leichtere Anpassung
- Relativ ordentliche Löhne für die Region
- Gute Lebensqualität in kleineren Städten (ruhig, ordentlich)
- Schulwesen und Gesundheitswesen stabiler als bei uns
- Kindergeld gibt es und kann mit Aufenthalt beantragt werden
Nachteile:
- Hohe Wohnkosten, besonders in Ljubljana
- Viele spüren als Fremde noch immer eine gewisse 'Distanz'
- Pausen variieren (manchmal bezahlt, manchmal nicht, je nach Sektor)









