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Vier-Tage-Woche in Montenegro wurde viral – doch daraus wird nichts

15.10.2025

Vier-Tage-Woche in Montenegro wurde viral – doch daraus wird nichts

In Montenegro wird in den letzten Monaten eine heftige Debatte über die Verkürzung der Arbeitszeit geführt.

Viele haben bereits geglaubt, dass das Land auf die Viertagewoche umgestellt hat, doch das ist nicht richtig. Montenegro hat die Arbeit an vier Tagen nicht eingeführt, sondern erwägt die Möglichkeit, die tägliche Arbeitszeit von acht auf sieben Stunden zu verkürzen.

Premierminister Milojko Spajić kündigte am 23. Mai 2025 an, dass die Regierung einer Entscheidung über die Einführung eines siebenstündigen Arbeitstags sehr nahe sei. Bei dieser Gelegenheit erklärte er, dass die Ministerin für Arbeit und Sozialschutz, Naida Nišić, Anfang der nächsten Woche offizielle Gespräche mit Gewerkschaften und Arbeitgebern aufnehmen werde. Ziel ist es, eine Einigung über ein neues Arbeitsmodell zu erzielen, das im ganzen Land angewendet werden könnte.

Die Idee einer verkürzten Arbeitszeit tauchte bereits während des Wahlkampfs für die Parlamentswahlen im Juni 2023 auf. Die Bewegung Evropa sad versprach damals eine Verkürzung der Arbeitswoche von vierzig auf fünfunddreißig Stunden. Es handelt sich um eine Maßnahme, mit der nach den damaligen Ankündigungen die Lebensqualität der Beschäftigten erhöht und die Produktivität gefördert werden sollte.

Trotz der Schlagzeilen in den Medien wurde noch kein Gesetz und keine Verordnung verabschiedet, die eine Viertagewoche einführen würde. Die Regierung spricht vorerst ausschließlich von einem siebenstündigen Arbeitstag, was bedeutet, dass die Beschäftigten weiterhin fünf Tage pro Woche arbeiten würden, aber kürzer.

Die Arbeitgeberunion Montenegros teilte mit, dass ein solches Modell gut sein könne, wenn es auf der Ebene einer Möglichkeit und nicht einer Verpflichtung bleibe. Die Arbeitgeber sind der Ansicht, dass eine erzwungene Verkürzung der Arbeitszeit die Betriebskosten erhöhen würde, insbesondere in Sektoren wie Tourismus und Bauwesen. Sie warnen, dass eine solche Änderung schrittweise umgesetzt werden müsste, mit einer klaren Analyse der Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Die Gewerkschaften hingegen unterstützen die Idee eines siebenstündigen Tages, verlangen jedoch Garantien, dass den Arbeitnehmern der Lohn nicht gekürzt werden darf. Die Vorsitzenden der Gewerkschaftsorganisationen betonen, dass kürzere Arbeitszeit nicht weniger Verantwortung bedeutet und dass bei guter Arbeitsorganisation die Produktivität sogar steigen könnte.

Die Debatte über die Reform hat auch zahlreiche Kontroversen in der Öffentlichkeit ausgelöst. Ein Teil der Fachleute ist der Ansicht, dass die Änderung zu einer besseren Balance zwischen Beruf und Privatleben führen würde, während andere warnen, dass Montenegro für ein solches Modell noch nicht bereit sei, da sich die Wirtschaft in hohem Maße auf Arbeitskräfte in Sektoren stützt, in denen Kontinuität der Arbeit erforderlich ist.

Vorerst ist nur eines klar. Montenegro hat die Viertagewoche nicht eingeführt. Alle Entscheidungen über eine neue Form der Arbeitszeit befinden sich noch in der Phase der Prüfung und Konsultation. Wenn bis zum Jahresende ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet wird, ist es wahrscheinlicher, dass der Arbeitstag auf sieben Stunden verkürzt wird, während die Zahl der Arbeitstage pro Woche bei fünf bleibt.

Die Arbeitsreform in Montenegro bleibt somit weiterhin eine Idee und keine Realität. Ob sich das Land für einen siebenstündigen Tag oder für eine noch tiefgreifendere Veränderung entscheiden wird, werden die Verhandlungen zeigen, die erst noch bevorstehen.