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Deutschland erleichtert Einwanderung für Menschen vom Westbalkan deutlich

10.01.2023

Deutschland erleichtert Einwanderung für Menschen vom Westbalkan deutlich

KÜNFTIG werden sich jährlich bis zu 50.000 Menschen aus der Region in Deutschland beschäftigen und niederlassen können, auch wenn sie keine beruflichen Qualifikationen haben. Deutschland braucht Arbeitskräfte in fast allen Bereichen und lockert fast alle Kriterien, schreibt Deutsche Welle.

Die deutschen Behörden beabsichtigen, die Quote für die Einwanderung unqualifizierter Arbeitskräfte aus der Region Westbalkan zu verdoppeln, heißt es in einem Gesetzesvorschlag, in den die deutsche Nachrichtenagentur dpa Einsicht hat. Künftig sollen es bis zu fünfzigtausend jährlich sein. Es geht um die sogenannte „Westbalkan-Regelung“, die einen bevorzugten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt für Staatsangehörige Serbiens, Bosnien und Herzegowinas, Montenegros, Nordmazedoniens, Albaniens und Kosovos vorsieht.

Nach den geltenden Gesetzen kann nämlich aus der ganzen Welt „qualifizierte“ Arbeitskraft einwandern. Nur vom Balkan können Menschen einen Job und ein Arbeitsvisum bekommen, selbst wenn sie außerhalb ihres Fachs oder ohne berufliche Qualifikation arbeiten.

Diese Regelung wurde nach der ersten Welle der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 entwickelt, weil sich unter den Asylsuchenden neben Syrern auch zahlreiche Staatsangehörige Serbiens, Bosnien und Herzegowinas sowie Kosovos befanden. Die Idee Berlins war, den Menschen aus der Region statt einer aussichtslosen Asylsuche die leichtere Jobsuche in Deutschland zu ermöglichen.

Punkte für die „Chancenkarte“

Das ist nicht die einzige Gesetzesänderung, die vorbereitet wird. Mit den neuen Regeln soll dem „dramatischen Arbeitskräftemangel in zahlreichen Branchen entgegengewirkt“ werden, urteilt dpa.

Zu diesen Änderungen gehört auch die sogenannte „Chancenkarte“, also die Möglichkeit, dass Menschen einfach nach Deutschland einwandern und erst dort, vor Ort, Arbeit suchen. In dieser Zeit haben sie das Recht, halbtags außerhalb ihres Fachs zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Chancenkarte soll, berichtet dpa, nach einem neuen Punktesystem jedem zugeteilt werden, der sechs Punkte sammelt.

Vier Punkte bringt eine bestimmte berufliche Qualifikation, drei Punkte gute Deutschkenntnisse oder drei Jahre Berufserfahrung, zwei Punkte, wenn die Person jünger als 35 Jahre ist, und einen Punkt, wenn sie sich früher legal mindestens sechs Monate in Deutschland aufgehalten hat.

Enormer Bedarf an Arbeitskräften

Wie DW bereits schrieb, leidet Deutschland unter demografischen Veränderungen und einer großen Zahl unbesetzter Arbeitsplätze. Es wird davon ausgegangen, dass jährlich etwa 400.000 Menschen einwandern müssen, damit Wirtschaft, Gesundheitswesen und Altenpflege funktionieren.

Dabei richtet sich immer ein Auge auf den Westbalkan, der weiterhin als beneidenswerter Arbeitskräftereservoir gilt. Das vertieft die enormen demografischen Probleme des Balkans, die auch die jüngsten Volkszählungen offengelegt haben.

Quelle: Index.hr