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Arbeitgeber besorgt: Deutschland will Zahl der Arbeitskräfte vom Westbalkan halbieren

27.08.2025

Arbeitgeber besorgt: Deutschland will Zahl der Arbeitskräfte vom Westbalkan halbieren

Deutsche Arbeitgeber sind ernsthaft besorgt nach der Ankündigung von Kanzler Friedrich Merz, dass die jährliche Quote für Arbeitnehmer aus dem westlichen Balkan von 50.000 auf 25.000 halbiert wird.

Die Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg warnt, dass diese Entscheidung starke Folgen haben könnte, insbesondere in Sektoren, die seit Jahren mit Personalmangel zu kämpfen haben, wie dem Bauwesen und der Altenpflege.

Laut der Zeitung Staatsanzeiger riskiert Deutschland gerade wegen des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften eine weitere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Arbeitgeber fordern die Abschaffung der Quoten

Die Präsidentin der Kammer, Zuzane Here, betonte, dass die bestehende Regelung den Unternehmen eine schnellere und einfachere Einstellung ohne unnötige bürokratische Hindernisse ermöglicht habe, schreibt oslobodjenje.ba. Auf der Seite der Bundesindustrie- und Handelskammer wird hinzugefügt, dass die Arbeitgeber nicht nur die Quote von 50.000 beibehalten wollen, sondern ihre vollständige Abschaffung sowie die Anwendung ähnlicher Modelle auch für Länder außerhalb der Europäischen Union fordern. Deutsche Unternehmer sind überzeugt, dass dies sowohl ihrer Wirtschaft als auch den Gesellschaften, aus denen die Arbeitnehmer kommen, helfen würde.

Die Statistik offenbart ein neues Problem

Obwohl die Arbeitgeber mehr Arbeitskräfte fordern, zeigen offizielle Daten, dass die Quote auch im vergangenen Jahr nicht ausgeschöpft wurde. Im Laufe des Jahres 2024 wurden 25.700 Visa erteilt, aber in Deutschland fanden nur etwa 16.000 Arbeitnehmer aus dem westlichen Balkan eine Beschäftigung. Der Grund liegt in langen administrativen Verfahren, endlosen Wartelisten in Botschaften und Konsulaten sowie zusätzlichen Herausforderungen bei der Anpassung nach der Ankunft in Deutschland.

Haltung der Arbeitgeber aus der Republika Srpska

Zu dieser Entscheidung äußerten sich auch Unternehmer aus der Republika Srpska. Goran Račić, Präsident der Wirtschaftskammer der RS, hob hervor, dass es im Interesse liege, dass die Arbeitnehmer auf dem heimischen Markt bleiben. „Unser Interesse ist, dass diese Menschen im Gebiet der RS bleiben, denn in den letzten Jahren sind die Löhne in unserem Gebiet gestiegen, und sicher ist es für sie die bessere Variante, hier zu bleiben“, erklärte Račić.

Automatisierung als Lösung

Diese Meinung teilt auch Zoran Škrebić, Präsident der Union der Arbeitgeberverbände der RS, der betont, dass höhere Löhne allein die Abwanderung der Arbeitnehmer nicht stoppen werden. „Ein besseres Umfeld wird durch technologische Entwicklung und die Automatisierung von Produktionsprozessen erreicht. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen verbessert und die Zahl schwerer Arbeiten verringert, was die Menschen motiviert zu bleiben“, erklärte Škrebić.

Der deutsche Arbeitsmarkt an einem Wendepunkt

Deutschland ist seit Jahren auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, insbesondere in Berufen, die von einheimischen Bürgern immer seltener gewählt werden. Schätzungen zufolge fehlen dem Land jährlich mehr als 400.000 Arbeitskräfte, und am gefragtesten sind Fachkräfte im Gesundheitswesen, in der Logistik, im Gastgewerbe und im Bauwesen.

Arbeitnehmer aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kroatien und anderen Ländern der Region sind zu einer wichtigen Stütze der deutschen Wirtschaft geworden. Sie werden wegen ihrer Arbeitsethik, ihrer Bereitschaft zur Mobilität und ihrer schnellen Anpassung an die Arbeitsbedingungen geschätzt. Viele entscheiden sich für einen dauerhaften Verbleib, während andere saisonal gehen und nach Hause zurückkehren.

Gleichzeitig sehen sich die Staaten des Balkans mit einer Auswanderungswelle konfrontiert, die alle Sektoren betrifft, von Krankenschwestern bis zu Lastwagenfahrern. Die Bevölkerung schrumpft rapide, und Schätzungen zeigen, dass einige Länder bis 2050 bis zu ein Viertel ihrer Bevölkerung verlieren werden. Das erzeugt zusätzlichen Druck auf die lokalen Arbeitsmärkte. Eines der größten Hindernisse bleibt die Bürokratie. Arbeitnehmer sehen sich oft mit monatelangen Wartezeiten auf Termine in Botschaften, komplizierten Verfahren und hohen Auswanderungskosten konfrontiert. Arbeitgeber in Deutschland warnen, dass ohne eine Reform des Systems keine ausreichende Zahl von Menschen gesichert werden kann, selbst wenn die Quoten hoch bleiben.