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FAZ: Der Balkan verliert seine Bevölkerung

04.05.2024

FAZ: Der Balkan verliert seine Bevölkerung

Die DEUTSCHE Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt über die Schwierigkeiten, die in den Balkanländern einerseits durch Auswanderung und sinkende Geburtenraten und andererseits durch Zuwanderung aus Asien verursacht werden, auf die diese Länder nicht vorbereitet sind.

Der Autor des Textes Michael Martens erwähnt eine Anekdote von einer Konferenz, auf der über die Gefahr eines Kriegsausbruchs in Südosteuropa diskutiert wurde, wobei ein Teilnehmer behauptete, dass keine Gefahr bestehe, weil es in diesen Ländern an Soldaten fehle.

Der Autor des Textes glaubt nicht, dass keine Kriegsgefahr besteht, und behauptet, dass auch gut bewaffnete Spezialeinheiten viel Unheil anrichten können, dass diese Länder aber dennoch große Probleme mit dem Mangel an Soldaten haben. Als Beispiel nennt er Serbien.

„Serbien rüstet sich beispielsweise seit mehreren Jahren stark auf, mit Raketen, Drohnen und Luftabwehrsystemen aus China und Russland, die bald durch französische Kampfflugzeuge vom Typ Rafale ergänzt werden sollen, das ist ein Teil des Bildes. Der andere ist, dass Serbien, wie auch anderen Ländern dieser Region, Soldaten fehlen, die wissen, wie man diese teure Technik bedient. So verfügt die serbische Armee zwar über mehr als 300 Panzer, aber nur für höchstens ein Drittel gibt es ausgebildete Besatzungen“, behauptet die FAZ.

Als Grund wird angeführt, dass Offiziere gern in die Wirtschaft wechseln und dass es wenig Nachwuchs gibt, weil der Militärberuf nicht mehr so attraktiv ist und weil immer weniger Kinder geboren werden. Zudem wird angeführt, dass die Auswanderung das Problem noch verschärft, weil „die Staaten dieser Region nicht attraktiv genug sind, um ihre junge Bevölkerung zu halten oder Migranten anzuziehen.“

Auswanderung – die beste Möglichkeit

Der Autor des Artikels vergleicht die Lage in Serbien mit jener in Rumänien oder Bulgarien und führt an, dass es in diesen Ländern manchmal gelingt, die Auswanderung aus den großen Städten zu verlangsamen oder den Trend sogar umzukehren, weist aber darauf hin, dass diese Länder Mitglieder der Europäischen Union sind.

„In den sechs Ländern des westlichen Balkans, die noch keine Mitglieder der Europäischen Union sind und keinen gleichberechtigten Zugang zu ihrem Markt haben, sieht die Lage nicht so gut aus“, schreibt die FAZ und führt an, dass für zahlreiche junge Menschen in diesen Ländern die Auswanderung weiterhin als die beste Möglichkeit erscheint.

Der Bevölkerungsrückgang beeinflusst auch das Verhalten westlicher Investoren, merkt die FAZ an, und erläutert, dass es für große Projekte in arbeitsintensiven Branchen nicht genügend Arbeitskräfte gibt. „Ein westlicher Konzern, der in einem Balkanland eine große Fabrik bauen will, hat deshalb schon vor Beginn der Arbeiten vereinbart, dass zwei Drittel der Beschäftigten von den Philippinen eingeführt werden.“

Die Balkanländer sind nicht auf neue Zuwanderer vorbereitet

Es wird angeführt, dass die Politiker in dieser Region den Ernst der demografischen Lage spät erkannt haben und nun darum konkurrieren, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben. „Der Belgrader Stadtverkehr beschäftigt inzwischen Busfahrer aus Indien oder Sri Lanka, weil es keine einheimischen Interessenten gibt. Der ärmste Staat Europas, Kosovo, hat für große Projekte Arbeiter aus Bangladesch mit Flugzeugen eingeflogen.“

Diese neue Realität wird die Gesellschaften in der Balkanregion vor schwere Herausforderungen stellen, warnt die FAZ, denn Zuwanderer aus Asien und Afrika werden Kinder bekommen, Immobilien kaufen, ihre Traditionen und Religionen pflegen und das Erscheinungsbild der Städte in Südosteuropa verändern, woran man in dieser Region nicht gewöhnt ist.

„Das Konfliktpotenzial ist offensichtlich. Der Balkan ist zwar schon seit Jahrhunderten multiethnisch. Aber anzuerkennen, dass dieses Gebiet eine Einwanderungsregion ist oder werden muss, um wirtschaftlich überlebensfähig zu bleiben, fällt den Machthabern schwer“, schließt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Quelle: index.hr