Kroatien braucht 2026 weitere 5.000 Saisonkräfte: „Starke Wende zum philippinischen Markt“
06.02.2026

Der kroatische Tourismus tritt in eine weitere intensive Saison ein, mit Schätzungen, die auf den Bedarf an zusätzlichen 5.000 Saisonarbeitskräften im Vergleich zum Vorjahr hinweisen.
Laut den Daten einer internen Umfrage des Kroatischen Arbeitgeberverbands planen sogar 60 % der Tourismusunternehmen eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl, während der Rest mit einer Beibehaltung der Vorjahreszahlen rechnet.
Wie Novi list schreibt, bestätigt dieser Trend den chronischen Mangel an inländischem Personal, was Arbeitgeber dazu zwingt, sich weiterhin auf den Import von Arbeitskräften zu stützen. Neben der Beibehaltung traditioneller Arbeitskräfte aus der Region ist eine starke Hinwendung zum philippinischen Markt bemerkbar, während die Zahl der Genehmigungen für Arbeitskräfte aus Indien und Nepal aufgrund strengerer gesetzlicher Regelungen und der Einführung von Ordnung bei Vermittlungsagenturen einen gewissen Rückgang verzeichnet.
Die Struktur der Beschäftigung im Dienstleistungssektor durchläuft eine bedeutende Transformation, da der Tourismus erneut den ersten Platz bei der Zahl der erteilten Arbeitserlaubnisse eingenommen und den Bausektor überholt hat. Obwohl der Staat die Bedingungen für den Erhalt von Dokumenten für Arbeitskräfte aus Drittländern verschärft hat, gelingt es den Hoteliers, den Bedarf durch eine Kombination aus Verlängerungen bestehender Genehmigungen und einem stärkeren Fokus auf feste Saisonkräfte zu decken.
Natali Komen Bujas vom Kroatischen Arbeitgeberverband betont, dass die Einkommen in führenden Tourismusunternehmen in den letzten zwei Jahren um 25 % gestiegen sind. Dennoch bleibt der inländische Arbeitskräftepool trotz steigender Löhne und gesicherter Unterkunft weiterhin unzureichend für die Ansprüche einer wachsenden Branche, die mit ausgeprägter Saisonalität und dem Mangel an qualifizierten Köchen und Kellnern kämpft.
Während Arbeitgeber die Lösung in einer steuerlichen Entlastung der Arbeit und der Einführung eines 13. Gehalts sehen, warnen Gewerkschaftsvertreter vor einem gefährlichen Maß an Demotivation der verbliebenen inländischen Fachkräfte. Der Vorsitzende der Gewerkschaft für Tourismus und Dienstleistungen Kroatiens, Eduard Andrić, betont, dass sich der Unterschied zwischen dem Mindestlohn und den Einkommen hochqualifizierter Arbeitskräfte gefährlich verringert hat, was Unzufriedenheit unter jenen schafft, die die Qualität der Dienstleistung tragen. Es besteht die berechtigte Sorge, dass sich ohne eine konkretere finanzielle Wertschätzung von Fachkompetenz der Anteil inländischer Arbeitskräfte weiter verringern wird. Die aktuelle Situation zeigt, dass ein ausländischer Arbeitnehmer den Arbeitgeber letztlich oft mehr kostet als ein inländischer, doch diese Investition ist zur Notwendigkeit geworden, um die Kontinuität des Geschäftsbetriebs während der Sommermonate sicherzustellen.
Konkurrenz, die nicht schläft: Warum die Alpen weiterhin die Adria besiegen
Kroatien konkurriert im Kampf um Arbeitskräfte nicht nur innerhalb seiner Grenzen, sondern befindet sich in einem direkten Schlagabtausch mit dem deutschen und österreichischen Markt, der Bedingungen bietet, mit denen die heimischen Hoteliers nur schwer mithalten können. Während an der Adria über Grundgehälter verhandelt wird, kann eine Zimmerfrau in Österreich mit einem festen Monatslohn von 2.300 Euro sowie kostenloser Unterkunft und Verpflegung rechnen.
Der entscheidende Vorteil der nördlichen Nachbarn liegt nicht nur im nominalen Betrag auf dem Konto, sondern in einem streng geregelten System, das dem Arbeitnehmer ein 13. und 14. Gehalt als Standard garantiert und nicht als außergewöhnliches Privileg. Eine solche finanzielle Sicherheit und Vorhersehbarkeit machen Österreich zur ersten Wahl für die erfahrensten kroatischen Fachkräfte, die lieber die Stabilität alpiner Hotels als die Unsicherheit der Adriasaison wählen.
Neben dem Gehalt selbst bringt die Arbeit in Deutschland und Österreich auch die Wahrnehmung beruflicher Würde mit sich, die das kroatische System erst noch vollständig aufbauen muss. In diesen Ländern ist Saisonarbeit nicht nur eine vorübergehende Lösung für Arbeitslosigkeit, sondern wird als ernsthafte Karrierestufe mit klaren Aufstiegsmöglichkeiten behandelt.
Kroatien verlässt sich weiterhin zu sehr auf Naturschönheiten und die Nähe zur Heimat als Motivationsfaktoren und vergisst dabei, dass der moderne Saisonarbeiter ein klares Verhältnis zwischen investierter Mühe und Kaufkraft sucht. Solange die Lebenshaltungskosten an der Küste fast mit denen in München oder Salzburg gleichziehen, die Nettoeinkommen jedoch deutlich niedriger sind, wird die Abwanderung der qualifiziertesten Menschen nach Norden ein unüberwindbares Hindernis für das heimische Tourismuswachstum bleiben.
Die Zukunft der Dienstleistung hängt vom menschlichen Faktor ab
Der kroatische Tourismus steht an einem Scheideweg, an dem das bloße Auffüllen der Zahl der Ausführenden nicht mehr ausreicht, um das Image eines Spitzenreiseziels aufrechtzuerhalten. Obwohl der Import von Arbeitskräften aus entfernten Märkten kurzfristige Rettung bietet, liegt die langfristige Nachhaltigkeit ausschließlich in der Revitalisierung des inländischen Arbeitnehmers durch gerechtere Gehaltsstufen und Steuererleichterungen, die sowohl der Beschäftigte als auch der Arbeitgeber spüren werden. Die Servicequalität, die jahrzehntelang das Markenzeichen der Adria war, kann ohne authentische heimische Gastfreundschaft nicht vollständig repliziert werden, und davon wird es immer weniger geben, wenn nicht dringend ein Gleichgewicht zwischen Profit und einem würdigen Preis der Arbeit gefunden wird.









