Berühmte dreistündige Pausen gehören der Vergangenheit an: „Wir wollen ein Leben nach der Arbeit“
20.11.2025

Spanien oder Griechenland, zwei Uhr nachmittags, die Sonne brennt, und die Straßen sind leer. Alle sind zur 'Siesta' gegangen, das Mittagessen dauert drei Stunden, man schläft, und die Arbeit wartet. Klingt wie das Paradies auf Erden, oder? Nun ja, vergessen Sie dieses Bild. Die Realität ist heute viel härter.
Die Geschichte von den faulen Mittelmeerländern, die den halben Tag dösen, ist zu einem touristischen Märchen geworden, das mit dem modernen Leben in Madrid, Barcelona oder Athen immer weniger zu tun hat. Zwar sind lange Pausen nicht völlig verschwunden, aber die Gründe, warum sie kürzer werden, sind nicht nur der Wunsch der Arbeitnehmer, nach Hause zu gehen. Die Sache ist viel komplizierter.
Brüssel und Wall Street warten auf niemanden
Der Hauptkiller der legendären 'Siesta' ist nicht der mangelnde Wunsch nach Erholung, sondern die Globalisierung. Versuchen Sie einmal, einem Kunden in London, Berlin oder New York zu erklären, dass Sie von 14 bis 17 Uhr nicht erreichbar sind, weil Sie sich 'nach dem Mittagessen ausruhen'. Das funktioniert im Jahr 2025 nicht mehr.
Große Konzerne, Banken und der IT-Sektor in Spanien und Griechenland sind längst zu europäischen Arbeitszeiten übergegangen. Der Druck der EU zur Standardisierung ist enorm. Wenn Sie mit dem Rest der Welt Geschäfte machen wollen, müssen Sie arbeiten, wenn die Welt arbeitet. Zoom-Anrufe, Fristen und Börsen kennen keine 'Fjaka'. Dort, wo viel Geld im Spiel ist, wurde die Mittagspause auf ein schnelles Sandwich reduziert, genau wie bei uns.
Dazu kommt die Digitalisierung. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, und hybrides Arbeiten haben die Idee völlig sinnlos gemacht, dass man bis 20 oder 21 Uhr im Büro sitzen muss, nur weil man eine dreistündige Pause hatte.
Neben der Globalisierung sind Faktoren, die das Verschwinden der traditionell langen Pause beeinflussen, steigende Lebenshaltungskosten, die Notwendigkeit abgestimmter Arbeitszeiten in Familien, die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes, Digitalisierung und Online-Kommunikation.
Leben in zwei Geschwindigkeiten: Dorf und Stadt
Heißt das, dass die Geschichte von drei Stunden Pause eine Lüge ist? Nicht ganz. Es kommt darauf an, wen Sie fragen und wo Sie sich befinden. Hier muss man präzise sein.
In Großstädten ist die lange Pause zu einem logistischen Albtraum geworden. Die Menschen pendeln bis zu einer Stunde zur Arbeit. Es hat keinen Sinn, zum Mittagessen nach Hause zu fahren und dann wieder zurückzukommen. Niemand will drei Stunden untätig im Stadtzentrum sitzen, nur um dann bis spät abends bei der Arbeit bleiben zu müssen. Die Menschen wollen ihre Arbeit erledigen und zu einer normalen Zeit nach Hause zur Familie oder auf ein Bier gehen.
Aber sobald man die Metropolen verlässt, ändert sich die Geschichte.
In kleineren Orten, im ländlichen Andalusien, in Dörfern rund um Valencia oder auf den griechischen Inseln wird die 'Siesta' weiterhin praktiziert. Dort lassen kleine Familienläden, Bäckereien und lokale Dienstleister um 14 Uhr die Rollläden herunter. Und sie öffnen sie erst um 17 oder 17:30 Uhr wieder. Das ist nicht nur eine Frage der Erholung, sondern eine Frage der Tradition und des Klimas. Wenn es im Juli im Schatten 40 Grad heiß wird, ist Arbeiten ohnehin unmöglich.
Tourismus und Gastgewerbe 'tanzen' nach dem alten Takt
Außerdem gibt es einen enormen Unterschied zwischen dem Unternehmenssektor und den Dienstleistungsbranchen. Während Banker den ganzen Tag in Anzügen schwitzen, arbeiten Kellner und Besitzer von Souvenirläden in Touristenzonen weiterhin in zwei Schichten.
Restaurants in Spanien füllen sich zum Mittagessen noch immer nicht vor 14:30 Uhr, und ein Abendessen vor 21 Uhr ist unvorstellbar. Dieser Rhythmus ändert sich nicht, weil er tief in der Ess- und Geselligkeitskultur verwurzelt ist.
Die Geschichte, dass 'da unten im Süden nicht gearbeitet wird', ist ein Mythos. Es wird gearbeitet, und zwar viel. Nur bewegen sich Spanien und Griechenland jetzt in zwei Geschwindigkeiten. Die eine ist die beschleunigte, europäische, die so schnell wie möglich von der Arbeit nach Hause will. Die andere ist die traditionelle, lokale, die ihre Ruhe weiterhin nicht aufgibt.
Wenn Sie also mit einer Firma aus Madrid arbeiten, erwarten Sie sofort eine Antwort. Aber wenn Sie planen, um 3 Uhr nachmittags in einem kleinen griechischen Dorf Brot zu kaufen, werden Sie 'vor verschlossenen Türen stehen'.
Die Falle des spanischen 'alten Schlages'
Und während wir oft mit Neid nach Spanien schauen und denken, dass sie das Leben genießen, vergessen wir eine entscheidende Sache, die wir in Kroatien als selbstverständlich ansehen: Unsere Pause ist oft bezahlt. In Kroatien ist der gesetzliche Standard (mit bestimmten Ausnahmen), dass diese halbe Stunde Pause zur Arbeitszeit zählt. Für die meisten Bürojobs ist die Rechnung klar: Man kommt um 8 und geht um 16 Uhr nach Hause.
Genau hier liegt die größte Falle für jene Spanier, die noch immer nach dem traditionellen System mit zwei Schichten arbeiten. Ihre lange Pause mag schön klingen, aber sie ist in der Regel unbezahlt.
Das bedeutet, dass Arbeitnehmer in diesem System praktisch den ganzen Tag an die Arbeit 'gefesselt' sind. Sie gehen um 14 Uhr in die Pause, kommen um 17 Uhr zurück und müssen dann bis 20 oder 21 Uhr arbeiten, um ihr Soll zu erfüllen. Während der durchschnittliche Kroate um 16:30 Uhr schon Kaffee in der Innenstadt trinkt oder das Kind aus dem Kindergarten abholt, kommt der Spanier im Zweischichtsystem gerade erst von dieser 'berühmten' Pause zurück ins Büro.
Deshalb überrascht es auch nicht, dass gerade die Spanier heute am lautesten die Abschaffung der 'Siesta' fordern, nicht weil sie Erholung nicht mögen, sondern weil sie ein Leben nach der Arbeit wollen.









