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Bundesbank-Chef warnt: „Wenn wir nicht länger arbeiten, bricht unser Lebensstandard ein“

03.11.2025

Bundesbank-Chef warnt: „Wenn wir nicht länger arbeiten, bricht unser Lebensstandard ein“

Deutschland steht an einem Wendepunkt, und ein Ausweg aus der Wirtschaftskrise ist nur möglich, wenn die Bürger länger beruflich aktiv bleiben, warnte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel.

Die Bundesbank, die deutsche Zentralbank und eine der wichtigsten Säulen des europäischen Währungssystems, spielt seit Jahren eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Stabilität des Euro und der nationalen Wirtschaft, schreibt Fenix Magazin unter Berufung auf die deutsche Nachrichtenagentur dpa. Ihr Präsident Joachim Nagel erklärt nun offen, dass Deutschland keinen Spielraum mehr hat, Reformen aufzuschieben.

„Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein, auch wenn das nicht angenehm ist“, sagte Nagel. „Aus Sicht der Bundesbank muss das Arbeitsleben verlängert werden, wenn wir das Wohlstandsniveau halten wollen, das Generationen von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam aufgebaut haben.“

Nagel sagte, das Land müsse sich bewusst sein, wo die eigentliche Herausforderung liege, und diese liege, so sagt er, in der Wettbewerbsfähigkeit. Wenn sich Deutschland nicht anpasst, riskiert es, nicht nur gegenüber globalen Konkurrenten, sondern auch gegenüber dem Rest Europas den Anschluss zu verlieren.

Bekannt als Befürworter entschlossener Reformen, wiederholt der Bundesbank-Präsident, dass die Anhebung der Altersgrenze für den Ruhestand notwendig sei. „Wir müssen darauf vertrauen, dass die Menschen verstehen werden, wie wichtig das für die Zukunft ihrer Kinder und Enkel ist“, betonte er.

Trotz düsterer Einschätzungen lässt Nagel dennoch einen Hauch von Optimismus erkennen. Er ist der Ansicht, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits im nächsten Jahr langsam erholen könnte. „Ich glaube, dass wir ein stärkeres Wachstum sehen werden, aber nur, wenn wir künftige Investitionen klug lenken. Das ist wie eine junge Pflanze, die gerade erst sprießt, sie ist zerbrechlich, kann aber zu etwas Starkem und Nachhaltigem heranwachsen“, sagte er.

Die deutsche Wirtschaft durchläuft derzeit die schwierigste Phase der letzten Jahrzehnte. Nach zwei Jahren der Rezession prognostizieren Ökonomen auch für 2025 nur ein minimales Wachstum, während eine spürbarere Erholung den Schätzungen zufolge im Jahr 2026 erwartet wird, mit einem Anstieg des BIP um etwa 1,3 Prozent.

Der Plan für den Ausstieg aus der Krise basiert auf einem speziellen staatlichen Fonds, der in den nächsten fünf Jahren massive Investitionen in die Wirtschaft ermöglichen soll. Ein Teil der Analysten hat jedoch bereits Zweifel an der Wirksamkeit dieses Plans geäußert. Nagel weist diese Kritik als verfrüht zurück.

„Es ist noch zu früh, um aufzugeben oder uns selbst zu Verlierern zu erklären“, sagte er. „Die Auswirkungen der Fiskalpolitik sind noch nicht vollständig spürbar, und die Regierung weiß sehr gut, wie groß ihre Verantwortung ist.“

Die Botschaft des Bundesbank-Präsidenten ist klar: Ohne eine Verlängerung des Arbeitslebens und kluge Investitionen könnte Deutschland schon bald verlieren, was es über Jahrzehnte aufgebaut hat – den Status als eine der stabilsten und wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt.